12.09.2012 - DER ARZT IST (AUCH) UNTERNEHMER

 

 

Oder: Es ist bezeichnend, dass es eines BGH Urteils bedarf, um dies auch amtlich festzustellen

Ich sehe das angesichts der perpetuierenden Versuche auf verschiedensten Ebenen, den niedergelassenen Arzt an das besagte Gängelband zu nehmen, ihn als Freiberufler/Unternehmer zu entmündigen und ihn wegen seiner Freiberuflichkeit zu desavouieren, als wertvoll und wichtig und bin glücklich über dieses BGH-Urteil. Nicht umsonst haben die unterschiedlichsten, die Situation der Ärzte aus dem Effeff kennenden Verantwortlichen im Vorfeld dieser Rechtssprechung auf desaströse Auswirkungen hingewiesen, die es gegeben hätte, wenn dem Arzt seine Unabhängigkeit und seine Freiberuflichkeit durch ein wie auch immer gestaltetes BGH-Urteil zumindest in Frage gestellt worden wäre.

Aus aktuellem Anlass möchte ich "beweisen", mit welch unterschiedlichen Maßstäben gemessen wird, wenn es darum geht, staatliche Förderungsprogrammezu bewerten, die zum Wohl von Unternehmungen/Unternehmern durch den Staat angeboten werden, mit der Absicht, die Produktivität von Unternehmungen zu verbessern – und damit Arbeitsplätze zu sichern.

45 Jahre bin ich "am Markt" und nicht einmal wurde Kritik an diesen Förderungsprogrammen laut; ganz im Gegenteil: da sie in erster Linie dem Mittelstand zugute kommen, wurden sie unisono als Positivum bewertet. Kaum kamen die Ärzte-/Unternehmer in einen solchen Genuss, schon überschlugen sich die negativen Schlagzeilen. Einträgliche Auflagensteigerungen von Zeitungen und Zeitschriften sind wieder einmal gewährleistet!

Worum geht es? Es geht um das "Rezept zum Geldverdienen", das durch "fragwürdiges Verkaufstraining für Ärzte" optimiert wird. So die einschlägige Presse.

Die richtige Grundidee dieses Förderungsprogramms seitens des Wirtschaftsministeriums war, die Arzt-/Unternehmereigenschaft des niedergelassen Arztes zu erkennen, zu akzeptieren (das hier erwähnte BGH-Urteil bestätigt es ja noch einmal) und um folgerichtig dem Arzt/Unternehmer Know-how zur Verfügung zu stellen, damit er sich am Markt "behaupten" kann.

Die Nürnberger Zeitung berichtet davon, dass sich "neben Verbänden und Politikern auch Gesundheitsexperten der Union gegen diese Förderpraxis richten", sie nennt jedoch keine Namen. Ich erlaube mir, ungeprüft in einem "Rundumschlag" zu behaupten, dass die Politiker aus der arztfeindlichen Bewertungsphilosophie des Herrn Lauterbach entstammen und dass die sogenannten Gesundheitsexperten sicherlich – was das globale deutsche Gesundheitssystem anbetrifft – über ein profundes Know-how verfügen, jedoch die Niederungen, Herausforderungen, Risiken des niedergelassenen Arztes/Unternehmers garantiert nicht kennen. Bei den Verbänden würden mich diese interessieren, um welche es sich handelt.

Wie weit ist die hier erwähnte Gängelung des Arztes bereits in den Köpfen von Politikern, insbesondere im Kopf des Herrn Prof. Lauterbach, eingedrungen, wenn er wieder einmal aus seinem Herzenswunsch keine Mördergrube macht und Ärzten vorschreibt, welche Prioritäten sie in ihrem Arztunternehmen zu setzen haben – er sieht "wertvolle Arbeitszeit von Ärzten in fragwürdige Geschäftemacherei umgelenkt". Er hat jegliche Sensibilität im Umgang mit den niedergelassenen Ärzten verloren, bzw. nie gehabt; neu dabei ist die Bevormundung.

Ich wiederhole mich und werde nicht aufhören dies zu fragen: "Ärzte, warum quälen wir sie?"

 

Dr. rer. pol. Rudolph Meindl
Diplom-Kaufmann

Geschäftsführender Gesellschafter

Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH

 

P.S.: Im nächsten Infobrief werde ich einmal meine Meinung zum aktuellen Angebot der Krankenkassen kundtun.