10.05.2010 - DIE BANK, DEIN PARTNER?!

 

 

In Anbetracht der durch die andauernde Finanzkrise verursachten „Übersensibilisierung“ der Bankinstitute befasse ich mich in dieser Ausgabe mit dem Thema: „Der Arzt/Unternehmer und ‚seine’ (?) Bank/Banken“. Diese Fragestellung zeigt, dass ich der Meinung bin, eine Bankverbindung reicht nicht. Nun werden viele Arzt/Unternehmer fragen: „Wieso ? - es gibt doch keine Probleme!“ Auch wenn es keine Probleme mit Ihrer Bank gibt, sollten Sie sich nach einer zweiten Bankverbindung umsehen.

Sie sind unbefangen, sind nicht im Zugzwang, haben keine Zeitnot und können – da entspannter – auch besser die sich dann ergebende Zweitverbindung beurteilen. Ich möchte Sie nicht deshalb für die Aufnahme einer zweiten Bankverbindung (oder je nach Größenordnung des Arzt-/Unternehmerkonstruktes einer dritten Bankverbindung) sensibilisieren, weil Sie mit den Kontokorrentzinsen nicht zufrieden sind, weil die derzeit für einen Kreditrahmen zur Verfügung gestellte Sicherheit von einer anderen Bank nicht verlangt werden könnte, weil eventuell der Ihnen zur Verfügung gestellte Kreditrahmen nicht ausreichen könnte, da hin und wieder überzogen und diese Überziehung zu exorbitant hohen Überziehungszinsen führt, oder weil der Sie betreuende Bankberater oft wechselt und Sie sich daher nicht wertgeschätzt genug fühlen, sondern ich sensibilisiere Sie für die Aufnahme einer Zweit-(Dritt-)Bank, weil es meine über 40-jährige Erfahrung immer wieder zeigt, dass es äußerst problematisch ist, als Arzt/Unternehmer in diesem, Sie in Zukunft so fordernden Metier nur auf eine Bank zu setzen.

Natürlich lohnt ein daraus konsequenterweise sich ergebender Vergleich. Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass sich die jeweiligen Schwerpunkte in jedem Fall von einem zum anderen Bankinstitut verschieben sollten. Nein, punktuelle Änderungen sind durch die Hereinnahme einer Zweit-(Dritt-)Bank möglich, z.B., dass ein Teil des Kontokorrentkredites umgelagert wird. Dadurch kann bei der „Erst“-Bank eine eventuell sich auch aus der Größe des Kreditrahmens ergebende Sicherheit (Grundschuld, selbstschuldnerische Bürgschaft etc.) vermieden oder eine eventuelle Lockerung bzw. Aufgabe der üblichen Abtretung Ihrer KV-Ansprüche ereicht werden. Bei einer anstehenden Verhandlung zur Verlängerung bestehender Investitionskredite ist automatisch bereits eine zweite Bank im Boot und muss nicht – sollte es bei diesen Verhandlungen zu Komplikationen kommen – erst akquiriert werden, was dann gerade zu diesem Zeitpunkt äußerst schwierig und einer der Gründe ist, warum ich eingangs dafür plädiere, sich eine Zweitbankverbindung zu sichern, wenn die Erstbankverbindung unproblematisch verläuft.

Auch was die Anlagephilosophie des jeweiligen Bankinstituts betrifft, ist eine Splittung auf zwei (drei) Banken und die damit unterschiedliche „Unterwerfung“ Ihres Vermögens auf verschiedene Anlage-Strategien/bankermentalitätsbezogene Philosophien zu empfehlen.

Neben dieser Grundphilosophie möchte ich auch noch zu einigen individuellen Punkten im richtigen Umgang mit Ihrer Bank und den damit verbundenen Konten Stellung beziehen:

1. Die Überprüfung von Kontoauszügen ist besonders dann wichtig, wenn Sie sich des Elektronik-Bankings bedienen. Aus unserer Erfahrung können wir Ihnen sagen, dass wir sehr oft Überweisungen erhalten, bei denen der Überweisende das Komma vergessen hat; so haben wir gerade vor kurzem wieder statt 210,44 € 21.044,00 € von einem Patienten erhalten. Anstelle von Daueraufträgen, die Zusatzkosten verursachen, empfiehlt sich bei vertrauenswürdigen Zahlungsempfängern das Lastschriftverfahren. Hier haben Sie das unglaublich wichtige Recht, jegliche durch Bankeinzug (Lastschriftverfahren) abgezogenen Gelder innerhalb von 6 Wochen durch Widerspruch wieder zurück zu bekommen. Achten Sie auf die Wertstellung bzw. Valuta-Bezogenheit, diese markieren nämlich den Beginn und das Ende der Zinsberechnungen.

2. Der unvermeidliche Kontokorrentkredit für jeden Arzt/Unternehmer sollte – was die Kreditlinie betrifft (s.o.) – großzügig bemessen sein, obwohl dies die Banken nicht so gerne tun. Für Sie ist es jedoch wichtig, da Sie sich neben eventuell sehr hohen Überziehungszinsen durch Überschreiten zu niedrig gehaltener Kreditlimits auch unangenehme Verhandlungen, mit zum Teil nicht gerade für derartig sensible Konstellationen geschulte, oftmals sehr junge Bank-Mitarbeiter sparen.

Unser Hinweis: Durch Vorfinanzierung bei der Abrechnung wird der Spielraum – ohne die Bankkreditlinien zu benutzen – erhöht.

3. Sollten Sie Mietkautionen oder sonstige Sicherheiten irgendwo in Bargeld hinterlegt haben, empfehle ich Ihnen, den berechtigten Bürgschaftsnehmern anzubieten.

4. Wählen Sie bei anstehenden Kreditverlängerungs- oder Neukreditverhandlungen aufgrund eines historischen Zinstiefs möglichst lange Zinsbindungsfristen, auch auf die Gefahr hin, dass der Zins einmal etwas niedriger werden könnte (was ich mir in eklatanten Größenord-nungen kaum vorstellen kann), denn eine nicht mitgemachte Zinsminderung ist nicht existentiell. Ein sicherlich – wann immer auch – eintretender hoher Zinssprung von 3 oder 4% nach oben kann – je nach Investitionssumme – mitunter aber existentiell für Sie sein. Nebenbei ersparen Sie sich während der Zinsfestschreibungszeit bei regelmäßiger Bedienung der Zins- und Tilgungsraten Kreditverlängerungsgespräche, die automatisch bei Wegfall der Zinsbindung grundsätzlich anstehen.

Erlauben Sie mir noch einen Hinweis in eigener Sache:

Zu unseren Dienstleistungen gehört auch das Periphere. Meine über 40-jährige Erfahrung, insbesondere im Bereich betriebswirtschaftlicher Belange des Arztunternehmers, gepaart mit den Erfahrungen des Bankkaufmanns Joachim Zieher, steht Ihnen – wann immer Sie uns brauchen – zur Verfügung.

 

Dr. rer. pol. Rudolph Meindl
Diplom-Kaufmann
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH