30.05.2006 - Neue Kooperationsmöglichkeiten für Vertragsärzte

 

 

Seit wenigen Wochen liegt der Gesetzesentwurf zur Änderung des Vertragsarztrechts vor. Ziel des geplanten Gesetzes, welches bereits zum 01.07.2006 in Kraft treten soll, ist die Erweiterung der Anstellungs- und Kooperationsmöglichkeiten für niedergelassene Ärzte. Was bereits seit 2 Jahren für die reine Privatpraxis möglich ist, soll nun auch für die Behandlung von Kassenpatienten gelten. Hierunter fallen insbesondere folgende Neuerungen:

Erleichterte Anstellungsmöglichkeit

In einem Gebiet ohne Zulassungsbeschränkungen kann der Vertragsarzt beliebig viele und auch fachgebietsfremde Ärzte anstellen. In diesen Fällen fällt darüber hinaus auch die Verpflichtung zur Leistungsbegrenzung weg. In gesperrten Gebieten besteht zwar nach wie vor die Deckelung auf 3% des üblichen Praxisumfangs. Aber auch hier kann der Vertragsarzt mehr als 2 Ärzte anstellen.

Bildung von Filialen

Vertragsärzte sollen außerhalb ihres (Stamm)vertragsarztsitzes auch an weiteren Orten, beispielsweise in Filialpraxen, vertragsärztlich tätig werden dürfen. Voraussetzung ist, dass die Filialpraxis die Versorgung der Versicherten an diesem Ort verbessert und die ordnungsgemäße Versorgung der Versicherten am Ort des (Stamm)vertragsarztsitzes nicht beeinträchtigt wird. Außergewöhnlich ist in diesem Zusammenhang die Änderung, dass die Zweigpraxis auch außerhalb des eigenen KV-Bezirkes liegen darf, d.h. Vertragsarzt also außerhalb seines Zulassungsbezirkes eine weitere Ermächtigung erhalten kann.

Gründung von überörtlichen Gemeinschaftspraxen

Weiter sollen nun auch überörtliche Berufsausübungsgemeinschaften, insbesondere überörtliche Gemeinschaftspraxen möglich sein. Dabei können diese nicht nur in mehreren Zulassungsbezirken innerhalb einer Kassenärztlichen Vereinigung, sondern auch in mehreren Kassenärztlichen Vereinigungen liegen. Dies dürfte für die Bildung von Teilgemein-schaftspraxen sicher im Sinne der Patienten sein.

Förderung von MVZs

Zur Ankurbelung von MVZ-Gründungen wird in Zukunft auf das Merkmal "fachübergreifend" als Gründungsvoraussetzung verzichtet.
Die Umsetzung des Gesetzesentwurfs ist sehr wahrscheinlich.
Die Anpassung des strengen Vertragsarztrechtes an die liberalen Vorgaben der Berufsordnungen wird dabei für Nieder-gelassene zu neuen interessanten und medizinisch sinnvollen Konstellationen führen können.

 

Rechtsanwältin Karin Gräfin von Strachwitz
Rechtsanwalt Christian Koller
Ehlers, Ehlers & Partner