20.12.2011 - ÄRZTEVERSORGUNG IN NOT

 

 

Bayerische Ärzteversorgung wirbt um freiwillige Beiträge!

Neufestsetzung der persönlichen Beitragsgrenze – keine Kürzung des Sonderausgabenabzuges

Umfangreiche versicherungsmathematische Untersuchungen belegen, dass sich die Lebenserwartung weiter deutlich erhöht. Bei den Freiberuflern ist sie wegen besserer sozioökonomischer Faktoren generell höher und auch noch stärker angewachsen als im Bevölkerungsdurchschnitt.

So stieg zum Beispiel innerhalb von elf Jahren die Lebenserwartung der 60-jährigen Freiberufler um 3,4 Jahre (allgemeine Bevölkerung: 1,8 Jahre), die der 60-jährigen Freiberuflerinnen um 2,2 Jahre (allgemeine Bevölkerung: 1,5 Jahre).

Diese Entwicklung führt zu einer längeren Rentenbezugsdauer, ohne dass es zu Beitragsmehreinnahmen kommt. Die Anzahl der Altersruhegeldempfänger stieg von 2008 bis 2009 in der Bayerischen Ärzteversorgung um 6,7 %, die der Gesamtmitglieder der Bayerischen Ärzteversorgung um 1,2 %.
In einem ersten Schritt hat die Ärzteversorgung reagiert und die Regelaltersgrenze auf 67 Jahre angehoben. In einem zweiten Schritt wirbt das Versorgungswerk offensiv um freiwillige Beiträge bei Ärzten ab dem 50. Lebensjahr, um einem Absinken der Beitragseinnahmen entgegenzuwirken.

Die Bayerische Ärzteversorgung informiert ihre Mitglieder über die Neufestsetzung der persönlichen Beitragsgrenze ab dem 50. Lebensjahr. Für selbständig Tätige gilt:

Aus dem Verhältnis der Summe der geleisteten Beiträge (Pflicht- plus freiwillige Beiträge vom 50. bis zum 55. Lebensjahr) zum allgemeinen Höchstbeitrag ergibt sich die persönliche Beitragsgrenze für die Zukunft.

Ebenso wirbt die bayerische Ärzteversorgung um freiwillige Beitragszahlungen mit dem Hinweis, dass Vorsorgemöglichkeiten verloren gehen könnten. Grundsätzlich gilt aber, keine Kürzung des steuerlichen Sonderausgabenabzuges.

Beiträge zu Rürup-Verträgen werden gemeinsam mit den Beiträgen zur Ärzteversorgung als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht. Der maximal anzusetzende Gesamtbetrag pro Person liegt bei 20.000 Euro, bei gemeinsam veranlagten Verheirateten 40.000 Euro (§ 10 EStG). Davon sind im Jahre 2012 74 % steuerlich absetzbar. Bis 2025 steigt dieser Anteil jährlich um 2 Prozentpunkte auf 100 %.

Beispiel:

Der Arzt A muss im Jahr 2012 den Betrag von 15.400 Euro als Pflichtbeitrag zur berufsständischen Versorgung entrichten. Seine Ehefrau B ist gesetzlich rentenversichert und bezahlt zusammen mit ihrem Arbeitgeber 9.980 Euro in die deutsche Rentenversicherung (gemeinsam 25.380 Euro - bis zur Höchstgrenze von 40.000 Euro verbleiben noch 14.620 Euro).

Steuerlich absetzbar als Sonderausgaben sind 74 % von 25.380 Euro, also 18.781,20 Euro.

Es besteht die Möglichkeit das zu versteuernde Einkommen um weitere
10.818,80 € zu reduzieren (74 % von 14.620 Euro steuerlich absetzbar).

Möglichkeiten der sinnvollen Nutzung des steuerlichen Sonderausgabenabzuges

  • Freiwillige Sonderzahlungen in die Bayerische Ärzteversorgung leisten, um  eine möglichst hohe private Beitragsgrenze zu erreichen?

oder

  • private Rürup-Verträge besparen?

Was macht Sinn?

Dazu ein Blick auf die wesentlichen Unterschiede

1. Die Berufständische Versorgung

In der berufsständischen Versorgung ist das offene Deckungsplanverfahren das wesentliche Finanzierungsverfahren. Es verlangt keine unmittelbare Äquivalenz zwischen Beitrag und Leistung, dass heißt, die Leistung ist nicht von der Höhe und Anzahl der eingezahlten Beiträge abhängig. Das ist derumlagefinanzierte Ansatz (die Jungen zahlen für die Alten), analog zur gesetzlichen Rentenversicherung.

  • Kollektive Abdeckung von Alters-, Invaliditäts- und Todesfallrisiko im Versorgungswerk, das heißt z. B., im Versorgungswerk zahlt die Ärzteschaft für die 30-jährige Witwe des 72-jährigen Arztes.
  • Niedrige Absicherung der Hinterbliebenen in jungen Jahren, hohe Berufsunfähigkeitsabsicherung in späten Berufsjahren im Versorgungswerk (konträr zu den Versorgungsnotwendigkeiten).
  • Der Arzt mit Familie hat keine Möglichkeit, die Beiträge gezielt zur Absicherung seiner Arbeitskraft und der Familie zu investieren.

2. Der private Rentenversicherungsvertrag als Rürup-Beitrag

Die Beiträge des „Rürup-Anlegers" werden für den Arzt selbst investiert und aus seinem Geld erhält er eine adäquate Versorgung. Das ist das Anwartschafts-deckungsverfahren der privaten Versicherungswirtschaft, auch bekannt als Kapitaldeckungsverfahren.

  • Individuelle, bedürfnisgerechte Vertragsgestaltung im Hinblick auf Berufsunfähigkeit und Witwenversorgung.
  • Risikokongruente Prämien, d. h. der Kunde zahlt Prämien, die seinem persönlichen Risiko entsprechen.

Die Beiträge für das Berufsständische Versorgungswerk und den privaten Rürup-Vertrag werden steuerlich gleich behandelt. In der Regel ist dem privaten Rürup-Vertrag der Vorzug zu geben, da es sich um einen privatwirtschaftlichen Weg der Altersvorsorge handelt. In der Beratung ist jedoch zwingend die gesamte Vermögens- und Lebenssituation und vor allem die familiäre Versorgungssituation zu berücksichtigen und zu erfassen.

Die private Rürup-Versorgung ist ebenfalls hervorragend geeignet, die systemimmanente Unterversorgung des Ehepartners in der berufsständischen Versorgung zu kompensieren.

Wichtig für den Arzt ab 59! 

Ein entscheidendes Kriterium pro/kontra Ständeversorgung ist die nachgelagerte Besteuerung der Renten. Der steuerfreie Anteil wird zu Beginn des Rentenbezuges festgeschrieben (sog. Besteuerung nach dem Kohortenprinzip, jeder Jahrgang bildet eine Kohorte). Hier ist eine frühzeitige Inanspruchnahme der Ständeversorgung zu prüfen. Je früher der Rentenbezug, desto niedriger die Besteuerungsgrundlage lebenslang.

Im Beispiel:

Arzt A beantragt im Jahr 2012 mit 60 die berufsständische Versorgung. 64 % seiner Bezüge werden zur Besteuerung herangezogen.

Wenn Arzt A bis zu seinem 67. Lebensjahr (2019) wartet, werden 78 % seiner Bezüge zur steuerlichen Veranlagung herangezogen.

Wichtig zu wissen, dass derjenige, der vorgezogenes Altersruhegeld bezieht, hinsichtlich der gesamten Rentenzahlungen erst ab dem 80. Lebensjahr von demjenigen übertroffen wird, der bei gleicher Anwartschaft mit dem Rentenbezug bis zur Regelaltersgrenze von 67 gewartet hat.

Die Bestandteile der Altersversorgung des Arztes sollten gründlich durchdacht und gewissenhaft geplant werden. Im Mittelpunkt aller Betrachtung muss die aus-reichende Versorgung des Arztes und seiner Familie stehen

  • im Fall der Berufsunfähigkeit
  • im Alter und
  • im Todesfall.

Sprechen Sie vor Ihrem 60. Geburtstag mit ihrem steuerlichen Berater – es lohnt sich - ein Leben lang.

 

Sabine Steinhäuser
Dipl. Betrw. (FH)
Steuerberaterin
Wirtschaftsmediatorin
Vermögens- und Finanzplanung
Beraterkanzlei
Steinhäuser Hümmer