25.02.2010 - Private Zusatzversicherung für Stationäre Behandlung

 

 

Der Markt der privaten Zusatzversicherungen boomt. Die Statistiken der privaten Kranken­versicherungen zeigen vor allem in diesem Segment hohe Zuwachsraten, was auch für die Ärzte durchaus interessante wirtschaftliche Perspektiven bietet.

Leider ist Zusatzversicherung nicht gleich Zusatzversicherung. Vor allem im Bereich der stationären Behandlung gilt es, die Verträge genauer zu studieren, da hier gehäuft bei den Belegärzten Erstattungsprobleme auftreten. Hintergrund ist, dass mittlerweile nahezu alle privaten Krankenversicherungen Zusatzversicherungsverträge anbieten, welche bei stationärer Behandlung nurmehr die Leistungen für „Chefarztbehandlung“ als ärztliche Wahlleistung versichern. Eine stationäre belegärztliche Behandlung ist von diesen Verträgen nicht umfasst, weshalb hier der Patient auch keinen Erstattungsanspruch hat.

m Ihren Patienten und auch sich selbst vor „bösen Überraschungen“ zu schützen, empfehlen wir Ihnen, bei privat zusatzversicherten GKV-Patienten genauer nachzufragen, ob auch belegärztliche Leistungen in der Versicherung eingeschlossen sind. Am besten geben Sie dem Patienten ausreichend Gelegenheit (2 – 3 Tage vor dem geplanten Eingriff), dies von seiner Versicherung nochmals prüfen und möglichst auch schriftlich bestätigen zu lassen. Sollte die Zusatzversicherung eine belegärztliche Behandlung nicht erstatten, wären Ihre Belegarztleistungen natürlich weiterhin über die GKV berechnungsfähig.

Gleichwohl steht es Ihnen natürlich frei, mit den GKV-Patienten trotz fehlendem Versicherungsschutz einen Behandlungsvertrag für die privatärztliche Behandlung auf der Belegstation zu treffen. Allerdings müssen Sie dann beachten, dass Sie aufgrund § 18 der Musterberufsordnung Ärzte, den Patienten schriftlich darüber aufklären müssen, dass eine Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung und eventuell auch von privaten Zusatzversicherungen nicht möglich bzw. nicht gewährleistet ist. Darüber hinaus müssen Sie den Patienten auch darauf hinweisen, dass er im Rahmen seiner gesetzlichen Krankenversicherung entsprechende operative Behandlung kostenfrei erhalten kann. Damit will der Gesetzgeber offensichtlich den GKV-Patienten vor „unüberlegten“ finanziellen Risiken bewahren.

Entsprechende Muster-Erklärungen stellen wir Ihnen auf Anfrage jederzeit gerne zur Verfügung.

Der Markt der privaten Zusatzversicherungen wird für Ärzte und Patienten zusehends intransparent. Mit den zum Teil undurchschaubaren Versicherungspaketen tut sich unserer Meinung nach aber die PKV keinen Gefallen. Letzten Endes wird sie den Patienten dadurch verlieren, dass er erkennt, keinen echten Nutzen aus der Versicherung zu gewinnen und diese damit früher oder später wieder kündigen. Damit ginge auf lange Sicht aber auch eine wichtige Privat-Klientel für die operierenden Fachbereiche verloren.

Ob im übrigen die immer häufiger anzutreffende Konstellation des Konsiliararztes anstelle des Belegarztes für dieses Problem eine „echte“ Lösung ist, bleibt aufgrund der aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen fraglich.

Sollten Sie Fragen zu dieser Thematik haben, stehen wir natürlich jederzeit gerne zur Verfügung.

 

Joachim Zieher
Geschäftsführender Gesellschafter

Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH

Abrechnungsexperte

Seit 1996 im Dienste des Arztes