11.11.2009 - GKV-PATIENTEN IN DIE PRIVATSPRECHSTUNDE ?

 

 

Nach dem Bundesmantelvertrag Ärzte muss ein Vertragsarzt mit voller Kassenzulassung mindestens 20 Stunden pro Woche für die Behandlung von GKV-Patienten zur Verfügung stehen, also den Kassenpatienten entsprechende Sprechzeiten anbieten.

Bei einer 40-Stunden-Sprechzeit-Woche darf der Arzt somit mindestens 19 Stunden pro Woche für andere Patienten (Privatpatienten, Selbstzahler, IGeL) zur Verfügung stehen.

Macht die Praxis nun deutlich auf die unterschiedlichen GKV- und Privatsprechzeiten aufmerksam (z.B. durch Aushang im Empfang und/oder Wartezimmer) und der Kassenpatient, der den nächsten freien Termin in der GKV-Sprechstunde erst in zwei Wochen erhalten könnte, spricht den Arzt oder die Helferin auf die Möglichkeit der Privatsprechstunde an, so steht es dem Arzt natürlich frei, dem Patienten unter Aufklärung über die ihm entstehenden Kosten einen (früheren) Privattermin anzubieten.

Auch der Fall, dass der Patient direkt in die Privatsprechstunde kommt und nicht auf die GKV-Sprechstunde warten möchte, ermöglicht dem Arzt - wiederum unter vorheriger wirtschaftlicher Aufklärung des Patienten - die Privatabrechnung seiner erbrachten Leistungen.

Allerdings muss der Vertragsarzt auf folgendes achten, um sich nicht KV-/berufsrechtlichen Vorwürfen auszusetzen:

1. die GKV-Sprechstunden müssen zu "üblichen Zeiten" angeboten werden

2. die Behandlung von Akut-/Notfällen bleibt außen vor

3. der Patient bestätigt dem Arzt vor Beginn der Behandlung schriftlich, dass er ausdrücklich verlangt, auf eigene Kosten behandelt zu werden (§ 18 Abs. 8 Punkt 2. BMV-Ä)

Der Vertragsarzt ist kein Angestellter der Kassen und kann damit selbst entscheiden, in welchem Umfang und zu welchen Zeiten er seine GKV-Sprechstunden anbietet.

 

Joachim Zieher
Geschäftsführender Gesellschafter

Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH

Abrechnungsexperte