11.11.2009 - ÄRZTEEINKOMMEN

 

 

SCHWARZE ZAHLEN, ROTE ZAHLEN, ECHTE ZAHLEN, MANIPULIERTE ZAHLEN, FAHRLÄSSIG FALSCH WIEDERGEGEBENE ZAHLEN?

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht, in unterschiedlichen Veröffentlichungen zu der Thematik Ärzteeinkommen einige Informationen heraus zu arbeiten. Abgesehen davon, dass es kaum eine Veröffentlichung gibt, in der die Einkommen der Niedergelassenen, bei denen es sich um selbständige, mit allen unternehmerischen Risiken ausgestatteten Arztunternehmen handelt, nicht mit den Einkommen von angestellten Ärzten verglichen werden (hier kann kein Vergleich stattfinden, denn ein unternehmerisches Einkommen kann in keiner Weise irgendwie mit dem Einkommen eines Arztes aus angestellter Tätigkeit verglichen werden), werden auch sonst die Zahlen sehr unkritisch durch die jeweiligen Medien veröffentlicht und sind meines Erachtens ein Indiz dafür, dass man im Zweifelsfalle gerne Ärzten hohe Einkommen, aber insbesondere auch hohe Einkommenssteigerungen im Zeitraumvergleich 2003 – 2007, unterstellt.

Folgendes Beispiel soll dies untermauern:

Die Deutsche Ärztezeitung hat in Ihrer Ausgabe vom 14./15. August 2009 unter Hinweis auf die Quelle des Statistischen Bundesamtes eine Honorarstatistik der deutschen Vertragsärzte veröffentlicht, aus der ein 25 %-iger Privatanteil (2003), der sogar auf 29 % gestiegen sein soll (2007), abzulesen ist.

Fast gleichzeitig bringt das Deutsche Ärzteblatt in seinem Heft 34-35 unter der Rubrik „Ärzteeinkommen: Schwarze Zahlen“ für das Jahr 2007 folgende Zahlen: „Einnahmen aus der gesetzlichen Krankenversicherung für Kassenärzte 24,8 Milliarden und aus der privaten Krankenversicherung 4,6 Milliarden Euro. Dies entspricht genau einem Anteil von 15,6 %.

Meine Frage:

Was veranlasst die Ärztezeitung dazu, den doppelten Privatanteil am Einkommen der Vertragsärzte zu veröffentlichen und sich dabei noch auf das Statistische Bundesamt zu beziehen.

Die Antwort darauf:

Das Statistische Bundesamt stellt auf Anfrage folgendes fest:

„... Es fließen die Daten von Praxen niedergelassener Vertragsärzte und reinen Privatpraxen in die Erhebung ein. Darüber hinaus weist das Statistische Bundesamt darauf hin, dass es sich bei der Kostenstrukturstatistik um eine Stichprobenerhebung mit einem 5%igen Befragungshintergrund handelt (§ 5 Kostenstrukturstatistikgesetz). Dieser Auswahlsatz ist für repräsentative Ergebnisse auf regionaler Ebene nicht ausreichend ...“

Anmerkung: Im Übrigen zeigt auch unsere sehr umfassende Erfahrung auf, dass 15 % annäherungsweise dem Schnitt entsprechen dürften.

Bisher habe ich geglaubt, dass in den als nicht so arztfreundlich zu bezeichnenden Medien (wie z.B. die Süddeutsche Zeitung) derartige „Opportunitätszahlen“ gerne veröffentlicht werden. Aber dass die Deutsche Ärztezeitung in einer kaum zu übersehenden Schlagzeile „Gewinnzuwachs für Vertragsärzte“ und einem garantiert nicht zu übersehenden Schaubild derartiges ungeprüftes Zahlenmaterial verwendet, ist für mich ein weiterer Beweis dafür, dass die Ärzte zusammenhalten müssen.

Von wegen „Gewinnzuwachs“: Ein Vergleich der DESTATIS-Studie aus dem Jahre 2003 zeigt, dass im GKV-Bereich ein Rückgang von 3,3% zu verzeichnen ist.

Ein erheblicher, seit 30 Jahren festzustellender Mangel solcher Statistiken besteht insbesondere auch darin, dass die sog. „kalkulatorischen Kosten“ wie: „kalkulatorische Zinsen“, „kalkulatorischer Unternehmerlohn“ für die unternehmerische Leistungserbringung (die in einer Personengesellschaft bilanztechnisch nicht erfasst werden), nicht berücksichtigt werden.

Dazu kommt die “kalkulatorische Abschreibung“ inklusive der Turboisierung durch die in der Medizin – und nur da - anfallende moralische Abschreibung und das „kalkulatorisches Risiko“. Auch diese kalkulatorischen Kosten muss jeder Unternehmer – und der niedergelassene Arzt ist (oder wird es werden müssen) Unternehmer – in Ansatz bringen. Nichts von dem wird erwähnt. Mehr Gründlichkeit, mehr Objektivität und mehr Aufklärung täte den Veröffentlichungen von Statistiken gut. Die niedergelassenen Ärzte haben ein Recht darauf!

 

Dr. rer. pol. Rudolph Meindl
Diplom-Kaufmann
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH