30.08.2009 - ATTESTE, BESCHEINIGUNGEN, BERICHTE MÜSSEN NACH GOÄ BERECHNET WERDEN

 

Einen TÜV-Stempel muss man hierzulande ebenso bezahlen wie eine Beglaubigung beim Notar, oder eine Kopie beim Rechtsanwalt. Warum sollte das eigentlich nicht für die Tätigkeit von Ärzten gelten?

Leider empfinden es immer noch viele Ärzte als peinlich, wenn sie Geld für Dienstleistungen verlangen, die von der Chipkarte nicht abgedeckt werden.

Für die Erbringung ärztlicher Leistungen muss der Arzt eine angemessene Vergütung erhalten. Angeforderte Atteste, Bescheinigungen, Berichte, oder auch medizinische Gutachten können gemäß der GOÄ berechnet werden (siehe Kasten „Abrechnungstipp“). Die Spanne bewegt sich dabei zwischen dem 1,0-fachen und dem 3,5-fachen Satz der GOÄ. Zwischen Faktor 1,0 und 2,3 kann dabei nach „billigem Ermessen“ gewählt werden, d. h., es bedarf keiner Begründung, warum Faktor 2,3 und nicht 2,0 angesetzt wurde. Über dem 2,3-fachen bis zum 3,5-fachen Satz muss eine Begründung dafür angegeben werden, weshalb die Leistung „schwieriger“ bzw. „zeitaufwändiger“ war.

Einfache „Schulatteste“ sind nach Tarif-Nummer 70 zu berechnen. Mit der Wahl des Faktors 2,146 erreicht man z. B. einen Gesamtbetrag von 5,00 € je Attest. Soll die angeforderte Bescheinigung auch Angaben über bisherige Krankheiten, Therapien und zur Epikrise beinhalten, ist die Ziffer 75 einschlägig.

Bei der Anforderung eines Krankheits-/Befundberichts durch Versicherungen muss man sich nicht auf deren erstes „Angebot“ einlassen, das meist über die Ziffer 75 zum „Schwellenwert“ (= Faktor 2,3) für den Bericht lautet. Je nach eigenem Aufwand (formularmäßige Abfassung des Berichts oder freie Formulierung mit eingehender Begründung) kann der Versicherung auch mitgeteilt werden, dass eine entsprechende Berichterstattung über Tarif-Nummer 80 oder 85 berechnet wird. Dies sollte man in jedem Fall vor der Abfassung des Berichts mit der Versicherung klären und sich die Kostenübernahme zu „Ihren Bedingungen“ schriftlich bestätigen lassen.

Zu den Berichten/Gutachten nach Tarif-Nummer 80 bzw. 85 können zusätzlich Schreibgebühren (Ziffer 95) und Kosten für erforderliche Kopien (Ziffer 96) berechnet werden.

Abrechnungstipp

Tarif-Nr.

Legende

Einfachsatz

Höchstbetrag

70

Kurze Bescheinigung

2,33 ¤

8,16 ¤

75

Ausführlicher, schriftlicher Krankheits- und Befundbericht

7,58 ¤

26,52 ¤

80

Schriftliche, gutachtliche Äußerung

17,49 ¤

61,20 ¤

85

Schriftliche, gutachtliche Äußerung mit einem das gewöhnliche Maß übersteigenden Aufwand

29,14 ¤

102,00 ¤

 

Joachim Zieher
Geschäftsführender Gesellschafter

Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH

Abrechnungsexperte