15.05.2009 - "SO ETWAS TUT MAN NICHT"

 

 

"So etwas tut man nicht..." (Ich habe dies schon lange nicht mehr gehört; zum letzten Mal von meinem Vater, einem königlichen Kaufmann)

Unser Bundespräsident hat anlässlich seiner Berliner Rede diesen an Traditionen als Fairness noch ein kaufmännisches Attribut war erinnernden Satz im Zusammenhang mit der Finanzkrise gebracht. Diesen Satz müssten sich die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und ihr Professor Lauterbach ins Gewissen schreiben.

Zu fordern, die Ärzte sollten ihre Einkommen offen legen, ist für einen Unternehmer - und jeder niedergelassene Arzt ist ein Unternehmer - meines Erachtens eine an Sittenwidrigkeit grenzende Forderung und zeigt wieder einmal die kommunistische Herkunft unserer Gesundheitsministerin, denn "so etwas zu fordern ... tut man nicht!".

Den Ärzten gebetsmühlenartig ihr "hohes" Einkommen vorzuwerfen, ohne sich mit den kaufmännischen Gesetzmäßigkeiten eines Unternehmers - was der niedergelassene Arzt ist - auseinanderzusetzen - "...so etwas tut man nicht!" (oder hat sie keinen blassen Schimmer, wie Einkommen aus selbständiger Unternehmertätigkeit zu interpretieren sind?). Den Umsatz des Arztes als Einkommen zu interpretieren - "...so etwas tut man nicht!".

Nirgendwo im freien Unternehmertum werden Leistungen von Unternehmern gefordert, die unter dem Selbstkostenpreis liegen. Der normale Unternehmer kann die Lieferung seiner Leistung ablehnen. Der Arzt kann es - gesetzliche Auflagen hin oder her - schon allein aufgrund seines Berufsethos nicht. Ich glaube kaum, dass die verantwortlichen Politiker je einen Fall erlebt haben, wo eine/r der über 319.000 in Deutschland tätigen Ärztinnen und Ärzte ihre/seine Leistung verweigert hat. Seehofer, der nicht unschuldig an der derzeitigen Situation ist - obwohl er davon nichts (mehr) wissen will - ist ein lebender Zeuge und ein Beispiel für die kognitive Dissonanz mit der unsere Politiker leben. So hat er nach überstandener Krankheit klar und deutlich gesagt: '...Ich weiß jetzt erst, was Ärzte leisten', und hat dennoch die Entstehung der RLV's verantwortet.

Die derzeitigen RLV's sind meines Erachtens eine bewusste Diskriminierung der ärztlichen Leistung, ".....so etwas tut man nicht!". Sollte es Unwissenheit sein, dann ".....tut man es erst recht nicht!".

Als Politiker/in jegliche - aber auch jegliche (!) - Objektivität missen zu lassen und seine kompromisslose Ablehnung jedem Arzt/Ärztin gegenüber ("unsere Ärzte verdienen wesentlich zu viel und pfuschen") offen zur Schau zu stellen "... tut man nicht!", sehr geehrter Herr Professor Lauterbach.

Was Sie als Ärzte jetzt tun, indem Sie - meines Erachtens so richtig zum ersten Mal - geschlossen gegen die Zustände protestieren, agieren und nicht mehr lamentieren, "tut man!". Denn es ist in der Art, wie es vertretbar, verhältnismäßig, mit Augenmaß und dennoch bestimmt gemacht wird, notwendig, längst überfällig und zeitgerecht, auch aus der Sicht der Patienten. Wenn dann noch Kompromisslosigkeit und Solidarität hinzukommen, dann sind Sie auf dem richtigen Weg.

Das "richtige" Wahlergebnis vorausgesetzt, kann es dieses Mal für die Ärzteschaft vielleicht zum Vorteil sein. Einiges können Sie dazu tun, denn nichts spricht gegen eine "Politisierung des Wartezimmers". Die Aktivitäten werden sich lohnen, auch weil die Politiker leicht vergessen, wenn es Wähler-Stimmen bringt.

Ein Verwirrspiel! Als sogenannter anerkannter Sozialpolitiker derart zu spielen, indem Sie, sehr geehrter Herr Professor Lauterbach, behaupten, dass den Fachärzten zu wenig Geld zur Verfügung steht 'weshalb sich die Ärzte ungenügend spezialisieren', um im gleichen Atemzug zu fordern, dass 'für die Hausärzte mehr ausgegeben werden sollte', "... so etwas tut man nicht!".* Ein Jonglieren mit den Honoraren - je nach Gusto, "... so etwas tut man nicht!".

In einer der letzten "Hart aber fair"-Sendungen - die grundsätzlich überwiegend ihrem Motto Rechnung tragen, ist der Moderator Frank Plasberg irgendwie auch der Grundstimmung des in dieser Runde vertretenen Professor Lauterbach unterlegen, denn das provokative Thema "Erstklassig kassieren, zweitklassig kurieren - wer stoppt Dr. Maßlos?" hätte mehr Objektivität gebraucht, statt Ängste zu schüren. In all seinen Kommentaren, aber insbesondere in der Antwort auf die Frage, mit wem er denn in der Diskussionsrunde tauschen möchte, die er beantwortete: "Mit Herrn Windhorst, denn dann könnte ich Porsche fahren", hat Lauterbach wieder gezeigt, dass er aus seiner "dunkelroten" Haut nicht heraus kann. Er will mit der Linken (d.h. [Ex-]Kommunisten) koalieren. Wenn er - wo immer er auftritt - das System als krank bezeichnet und niemals von seiner "Chefin", der Gesundheitsministerin, zurechtgewiesen wird, dann frage ich mich, was die Gesundheitsministerin dazu bewegt, zu akzeptieren und damit zu bestätigen, dass die Bürgerinnen und Bürger "offenkundig einen großen Wert auf eine gute medizinische Versorgung legen und dies wissen und schätzen, die ihnen unabhängig von ihrem Einkommen und dem individuellen Krankheitsrisiko eine Versorgung auf Höhe des medizinischen Fortschrittes sichert"**.

 

Dr. rer. pol. Rudolph Meindl
Diplom-Kaufmann
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH 

 

*   "Gesund im kranken System", Karl Lauterbach, Seiten 24 und 166 
** Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Ausgabe Sonntag, 5. April 2009 "Von Menschen für Menschen"