15.05.2009 - TEILGEMEINSCHAFTSPRAXEN - DER SANFTE EINSTIEG IN KOOPERATIONEN

 

Die Dynamik der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stellt freiberufliche Ärzte vor neue Herausforderungen. Derzeit werden die Veränderungen besonders von zwei wesentlichen Faktoren bestimmt: RLV-Wahnsinn und ungleicher Wettbewerb.

Das RLV-Desaster und die völlig intransparente Honorarumverteilung verursachen bis zu 25 Prozent Einnahmeverlust je nach Fachgruppe, Praxisgröße und KV-Region. Für viele eine existenzbedrohende Entwicklung. Diese ist nicht nur ein Synonym für die Krise des KV-Systems, sondern auch für die fortdauernde Unterfinanzierung der haus- und fachärztlichen Leistungen hochqualifizierter und engagierter niedergelassener Ärzte in der kollektiv-vertraglichen GKV-Regelversorgung.

Der immer schneller um sich greifende Wettbewerb mit unterschiedlich langen Spießen vor allem durch staatlich subventionierte Krankenhausträger, private Klinikkonzernen und nicht arztgeleitete Fremdkapitalgeber hinterlässt immer häufiger Spuren in der Versorgungslandschaft. Die politischen Konzepte zur Wettbewerbs-Intensivierung beginnen ihre Wirkung zu entfalten: Fusionen, Übernahmen, Kooperationen lösen Konzentration- und Wachstumsprozesse bei ambulanten Leistungsanbietern aus. Die bisherige Positionierung von Praxen und MVZ`s freiberuflicher Ärzte in den betroffenen Versorgungsregionen kann so gefährlich ins Wanken geraten.

Das alleinige Hoffen und Bangen auf Lösungen von Außen ist unternehmerisch trügerisch. Vielmehr ist häufig aktives zukunftsorientiertes Handeln und Gestalten gefragt. Veränderungen bergen nicht nur Risiken, sondern bieten auch Chancen. Durch arztgeleitete Kooperationen können interkollegial freiberufliche Risiken minimiert und Chancen erhöht werden. Oft werden gegen verbindliche Kooperationen sehr subjektive und emotionale Einwände vorgebracht. Besonders oft lösen mögliche Einschränkungen bisheriger unternehmerischer Entscheidungskompetenz und die angebliche Rechtfertigung des ärztlichen Tuns gegenüber den Kooperationspartnern massive Verunsicherung und Befürchtungen aus. Nicht selten werden deshalb aufgrund diffuser wenig faktenorientierter Abwägungen interessante Kooperationschancen vertan. Dabei steht eine große, nahezu unübersichtliche Vielfalt an Kooperationsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Gestaltungsoptionen umfassen die Spannbreite von minimaler (z.B. Apparategemeinschaften) bis maximaler (z.B. MVZ) unternehmerischer Integration der bisherigen freiberuflichen Tätigkeit in eine Kooperation.

Die Teilgemeinschaftspraxis wird rechtlich eigenständig zusätzlich zur "Hauptpraxis" betrieben. Partner von Teilgemeinschaftspraxen können so für ihre bisherige freiberufliche Tätigkeit im gewohnten Umfang ihre Verantwortung als Arzt und Praxisinhaber wahrnehmen. Daneben kann ein eigenständiges "Tochter-Unternehmen" mit freiberuflichen Kooperationspartnern für definierte aus der "Hauptpraxis" ausgegliederte Leistungsbereiche betrieben werden. Nur insoweit ist Kompetenz und Verantwortung als Arzt und Unternehmer mit den Kooperationspartnern zu teilen. Die Leistungen können in offenen und gesperrten Planungsbereichen am eigenen Praxissitz und am Praxissitz der jeweiligen Partner der Teilgemeinschaftspraxis durchgeführt werden. Die Einbringung von Teilen des Praxisvermögens in die Teilgemeinschaftspraxis ist nicht zwingend notwendig. Ebenso wenig erforderlich ist die Transparenz der Einnahmen und Ausgaben von der "Hauptpraxis" gegenüber den Kooperationspartnern.

Dieses schlanke Einstiegsmodell erlaubt relativ risikoarm die eigene Kooperationsfähigkeit zu testen und zu lernen. Gleichzeitig bietet die Teil-Gemeinschaftspraxis eine Vielzahl von Möglichkeiten die Kooperation auszubauen. Der niedrigschwellige Einstieg in eine zukunftsorientierte Kooperation wird in den nächsten Jahren die Zahl der Teil-Gemeinschaftpraxen deutlich ansteigen lassen.

Gerne beraten und unterstützen wir Sie bei der Entwicklung und Umsetzung einer zukunftsorientierten Strategie und für Sie richtigen Kooperationsform.

 

Gerald Frieß
Arztberater Strategien & Kooperationen 
Dr. Meindl & Collegen AG 
Ostendstr. 196 90482 Nürnberg 
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