25.01.2009 - KAPITALANALGE - FINANZKRISE

 

Angesichts der von einem Großteil der kapitalanlegenden Bevölkerung gemachten negativen Erfahrungen mit der Finanzmarktkrise möchte ich wieder einmal meine subjektive Meinung zur Kapitalanlage-Philosophie abgeben, die sich seit 40 Jahren im wesentlichen nicht geändert hat. (Ein „Geständnis“ vorweg: Meine Vorsichtigkeit hat auch einen egoistischen Hintergrund. Der Ärger Geld verloren zu haben überwiegt bei weitem die Freude über einen auch noch so hohen Gewinn ... ich will keinen Ärger! ) Es ist eine Frage der Mentalität (hohes Risikobewusstsein oder hoher Sicherheitsgedanken), des Familienstandes, aber auch des Alters und der in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen. Diese Komponenten müssen selbstkritisch, allein, ohne irgendeinen Einfluss von außen, geprüft und auf die beabsichtigte Kapitalanlage-Entscheidung transferiert werden. Zusammengefasst möchte ich also noch einmal die Grundkriterien, die bei einer Kapitalanlage zu berücksichtigen sind, aus meiner subjektiven Sicht, aufgestellt nach Prioritäten, darlegen: 

 

1. Das oberste Prinzip des Kaufmanns „Vorsicht – Vorsicht – Vorsicht“ ist unbedingt zu berücksichtigen. 
2. Wo sich Chancen im Kapitalanlagebereich abzeichnen, müssen adäquate Risiken vorhanden sein. Todsichere Kapitalanlagen sind abzulehnen. Wer sie Ihnen anbietet, den „schmeißen Sie raus“!
3. „Liquidität geht vor Effektivität“ und Rentabilität. Was hilft das größte Vermögen, wenn die Liquidität zur Aufrechterhaltung dieses Vermögens fehlt. Vorsichtige Kaufleute halten sich an das Niederstwert-Prinzip bei der Beurteilung des eigenen Vermögens und an das Höchstwert-Prinzip bei der Beurteilung der Verbindlichkeiten und kalkulieren jede Kapitalanlageform mit einem kalkulatorischen Risikoansatz (den wir bei der Beurteilung der eigenen Leistungskraft auch immer wieder in Ansatz bringen müssen).   
4. Entscheiden Sie nie unter Zeitdruck (wenn ich sage nie, meine ich nie)! 
5. Der unverrückbare kaufmännische Grundsatz „1 + 1 ist immer 2 ... + Zinsen“ ist von Niemanden verrückbar und auch die größten Rechenkünstler, die aus vorprogrammierten Computern auf  geduldigem Papier diesen unverrückbaren kaufmännischen Grundsatz pervertierten wollen, können dies nicht. 
6. Der überwiegende Teil der Menschheit neigt dazu, fremdes Geld (geliehenes) leichter auszugeben als eigenes.  
7. 
„Spekulation durch Aufnahme von Fremdgeldern ist absolut tabu und ist eventuell damit zu vergleichen, wenn ein Arzt als Therapie die permanente Einnahme von Schmerzmitteln und Alkohol empfiehlt“.

Lassen Sie mich Seneca zitieren: 
Der Schmerz, besitzlos zu sein, ist weit leichter zu ertragen, als der, besitzlos zu werden.

 
Dr. rer. pol. Rudolf Meindl 
Diplomkaufmann 
seit über 40 Jahren im Dienste des Arztes 
Dies ist meine ganz individuelle, subjektive Meinung zur Kapitalanlage-Philosophie, aus meiner über 40jährigen Erfahrung im Wirtschaftsbereich.