25.01.2008 - BÄK negiert Besuchsgebühr für Anästhesisten

 

 

Die Bundesärztekammer hat in einer Veröffentlichung im DÄB vom 16.11.2007 die Berechnung von Besuchsgebühren (Tarif-Nr. 50 GOÄ + Wegegeld) für Anästhesisten bei "regelmäßiger" Tätigkeit in fremden Praxen/OP-Zentren abgelehnt. Eine Ausnahme sei nur gegeben, wenn der Anästhesist "ungeplant, notfallmäßig" hinzugezogen werden muss.

Eine "regelmäßige" Tätigkeit läge auch vor, wenn der Anästhesist immer wieder von der gleichen Praxis geplant hinzugezogen wird. In welchem Umfang die "Mitbehandlung" in anderen Praxen im Vergleich zur Tätigkeit in der eigenen Praxis des Anästhesisten erfolgt, spiele für die Beurteilung keine Rolle.

Es ist zu erwarten, dass PKV und Beihilfestellen diese Stellungnahme der Bundesärztekammer zur Kürzung der Besuchsleistung bei Anästhesie-Rechnungen zitieren werden. Unserer Ansicht nach, lässt sich dagegen jedoch argumentieren: Die Tarif-Nummer 50 GOÄ spricht von "Besuch, einschließlich Beratung und symptombezogener Untersuchung". Ein Besuch liegt dann vor, wenn der Arzt zur medizinisch notwendigen Behandlung des Patienten seine eigene Praxis verlassen muss. Eine einschränkende Bedingung hinsichtlich Ort des Besuches, medizinischer Indikation oder Häufigkeit ist der GOÄ nicht zu entnehmen.

Eine regelmäßige Arbeitsstätte des Arztes ist u. E. nach zudem durch das Vorhandensein eigener Gerätschaften und/oder Personal sowie organisatorischer Rahmenbedingungen gekennzeichnet. Bei Leistungserbringung in fremder Praxis dürfte dies jedoch im Regelfall nicht gegeben sein. Die Bewertung der Besuchsgebühr (doppelte Punktzahl als Tarif-Nummer 1 und 5 zusammen) zeigt ebenfalls deutlich, dass damit dem erhöhten Aufwand des Arztes bei Leistungserbringung außerhalb seines eigenen organisatorischen Umfeldes Rechnung getragen werden soll.

Spinnt man die Stellungnahme der BÄK weiter, könne die PKV irgendwann auch auf die Idee kommen, dass selbst ein Hausarzt Besuchs- und Wegegebühren nicht mehr berechnen darf, wenn dieser regelmäßig seine - meist alten - Patienten besuchen muss, da ja dann auch hier eine "regelmäßige Arbeitsstätte" unterstellt werden kann.

 

Joachim Zieher
Geschäftsführender Gesellschafter

Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH

Abrechnungsexperte