10.10.2007 - Ja zum Privatpatienten

 

 

Solange der Arzt für seine am Kassenpatienten erbrachte, sehr engagierte, von der  ärzt­lichen Ethik massiv beeinflusste Leistung nur in Punkten und nicht in festen Geldbeträgen ver­gütet bekommt, d.h.

  • solange der Arzt unseriös und unfair deshalb behandelt wird, weil seine berufliche Ethik es erfordert, sich dem technischen und geistigen Know-how-Fortschritt anzupassen, was unwei­gerlich zur erhöhten Punktzahl und damit zur Degression des Punktwer­tes führt und
  • solange zu allem Überfluss die Punktzahl noch gedeckelt wird,

mindestens solange ist der Privatversicherte aus wirtschaftlichen Gründen überlebensnot­wendig für den niedergelassenen Arzt und wie in der Zwischenzeit jeder Krankenhaus­ver­walter weiß - auch für die Krankenhäuser. 

 

Da sich meines Erachtens an dieser unfairen Vergütung, allein schon aus politischen Grün­den, trotz des permanenten Versprechens der Politiker aus verschiedenen Lagern, die durch den Arzt erbrachten Leistungen in festen Geldbeträgen und nicht mehr in Punkten, deren Wert einer ständigen, zeitweise sehr rapiden Degression ausgesetzt ist, zu vergüten, sich in abseh­barer Zukunft nichts ändern wird, wäre der Wegfall der Privatversicherten der Tod des nach kauf­männi­schen Prinzipien arbeitenden niedergelassenen Mediziners bzw. auch in der Zukunft des für die ambulante Versorgung zuständigen Arztes im Krankenhaus.

Dass die Gesundheitsministerin keine Freundin der niedergelassenen Ärzteschaft ist, beweist sie in permanenten, zeitweise sehr emotional vorgetragenen Einnahme-Reduzierungskommentaren. Ihr Weggefährte Lauterbach mag zwar manchmal den Ein­druck einer ehrlich gemeinten Distanz zu den Äußerungen der Gesundheitsministerin zu erkennen geben (dies ist er seiner Eitelkeit und seinem Ich-bin-der-Politiker-Individualist-Habitus schuldig), wer jedoch sein Buch Der Zweiklassenstaat - Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren lesen würde (es selbst zu lesen, wäre äußerst vergeudete Zeit), der erkennt, dass dieser Mann sich keine Gedanken darüber macht, inwieweit die neu geschaffene Gesetzeslandschaft dem Arzt auch Chancen bietet . Ganz im Gegenteil: er zieht den Ärzten und Krankenhäusern den Boden unter den Füßen weg, indem er behauptet, dass die Privatversicherten (er spricht vom bestehenden System = Zweiklassenmedizin) die Forschung in unserem Lande ruinieren. Was veranlasst ihn, auf der einen Seite erstklassige Experten zu fordern, die er jedoch nicht leben lässt, weil er behauptet, die Privatversicherten ruinieren das gesamte deutsche Gesundheitswesen, wohl wissend, dass die Medizin am Men­schen und da müssen die Ergebnisse der Forschung angewendet werden nur dadurch über­leben kann, wenn die dafür aufgewendeten Stunden der Experten auch aus­reichend bezahlt werden. Opportunismus und Populismus sind der Politik nicht fremd. So gesehen möge man für eine kurze Verweildauer einem Politiker diese gegensätzliche Argumentation verzeihen. Sollten diese Äußerungen jedoch darüber hinaus, dem Narzissmus und dem übersteigerten Drang ein Über-Individualist zu sein, dienen  denn so tritt er aus meinem subjektiven Empfinden auf ,dann wird es gefährlich! Gott sei Dank gibt es eine Menge an Gegensteuerungen.  Darunter ist das GOÄ-Reformprojekt der Bundesärztekammer lobend zu erwähnen.

 Die Existenz von Privatversicherten/Wahlleistungspatienten

  • erhöht die Motivation der Ärzte 
  • ist ein kleiner Ausgleich, für das in der Zwischenzeit allseits bekannte Stressszenario der angestellten Ärzte im Krankenhaus, resultierend aus der individuellen ärztlichen Verantwortung für den Patienten 
  • erhöht die Motivations- und Risikobereitschaft medizinisch-technischen Geräten, die einem unglaublichen technischen Fortschritt unterworfen sind und dem Wohle des Patienten dienen, anzuschaffen (Phänomen, der nur in der Medizin bekannten Moralischen Abschreibung* [Afa] ).


* Unter moralischer Afa versteht der Kaufmann ein aus betriebswirtschaftlicher Sicht real existierendes Phänomen. Der Unternehmer Arzt/das Unternehmen Krankenhaus könnte mit einer Vielzahl medizinischtechnischem Gerät, allein was die Funktionsfähigkeit anbetrifft, noch viele Jahre gut leben. Der technische Fortschritt, der ja einer verbesserten Diagnose respektive Therapie-Effizienz dient, lässt den Arzt aus moralischen Gründen auf die Dauer nicht in Ruhe und dieser wird immer wieder neue Geräte anschaffen, obwohl die Altgeräte noch nicht abgeschrieben und sicherlich auch noch nicht endfinanziert sind. Dieses Phänomen untergräbt auch den klaren kaufmännischen Grundsatz, der, wenn er nicht beherzigt wird, dauerhaft zu einem unabwendbaren Schaden führt, nämlich, wenn nicht schon Afa-kongruentes dann  zumindest nutzungs-konkruentes Finanzieren.
 

FAZIT:Aus meiner über 40-jährigen Erfahrung, rekrutiert aus unzähligen Wirtschaftlichkeitsanalysen von ärztlichen Praxen, kann ich repräsentativ und jeder kritisch mich hinterfragenden Institu­tion und vor allen Dingen jedem Patienten ob­jek­tiv, empirisch und wissenschaftlich untermauert beweisen, dass ohne das Privat­klientel die Erbringung kompetenter, verantwortungsbewusster, ergebnisorientierter ärzt­licher Leistung sowohl im kurativen als auch im präventiven Bereich nicht möglich ist. Der Leidtragende ist der ge­setzlich Versicherte (dies sind 85 %), denn dieser nimmt unabdingbar an dem tech­nischen Fort­schritt zu seinem Wohle, zur Verbesserung oder zur Erhaltung seiner Gesund­heit teil. Dies wäre so nicht der Fall, wenn es die Privatversicherten nicht gäbe, denn dann gäbe es auch nicht den rasanten technischen Fortschritt, weil er nicht finanzierbar ist. Es ist glattweg falsch, wenn Lauterbach in seinem Buch behauptet, dass  ..... im Ernstfall ..... der gesetzlich Versicherte auf der Strecke bleibt, weil er keinen oder nur einen sehr späten Zugang zu Spezialisten hat. Gegen die folgende Behauptung würde ich mich als Arzt mit allen Mitteln weh­ren), wenn er sagt:  ..... dass die Experten in fast allen Bereichen der Medizin vornehmlich oder ausschließlich (!) Privatpatienten behandeln und er sich dann noch zu einer Äußerung versteigt, die an die emotionalen Äußerungen der Gesundheitsministerin erinnern, die da lauten, dass Fachleute die am schwersten Erkrankten und auch medizi­nisch interessantesten Patienten oft gar nicht sehen, weil diese zu 85 % gesetzlich versichert sind !! Dass aus allen Bereichen an Privatversicherten gebohrt wird zeigt sich auch daran, dass der Vertrag, der zwischen der GKV und der Kassenärztlichen Bun­desvereinigung über die Euro-Vergütung als Nachfolgeregelung des Einheitlichen Bewer­tungs­maßstabes (EBM) abgeschlossen werden soll, alsGebührenordnung und nicht als Euro-Vergütungsordnung bezeichnet wird. Systematisch steht die Absicht dahinter, die Zusammenführung der Versicherungssysteme dann auch im Nachhinein mit dem Argument zu manifestieren und zu gerechtfertigen, dass es eben eine Gebührenordnung gäbe und es damit der GOÄ nicht mehr bedürfe, denn  ..... wir haben ja eine Gebührenordnung (Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe hat auch in diesem Bereich sensibel reagiert ).

 

Dr. rer. pol. Rudolph Meindl
Diplom-Kaufmann
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH