15.02.2019 - Der Behandlungsfall in der GOÄ

Zwar haben sich die „Regeln“ des Behandlungsfalles in der GOÄ nicht geändert, denoch sorgt die Definition und der Ansatz immer wieder für Gesprächsstoff.

Die Definition in der GOÄ:

„Als Behandlungsfall gilt für die Behandlung derselben Erkrankung der Zeitraum eines Monats nach der jeweils ersten Inanspruchnahme des Arztes“ (allgemeine Bestimmung zum Abschnitt B, Nr. 1). (Für die UV-GOÄ gelten „andere“ Regeln).

Ziffer 1 und/oder Ziffer 5, mehrmals im Behandlungsfall berechnungsfähig

Bei den Ziffer 1 und/oder Ziffer 5 möchten wir auf den vollständigen Text -nur einmal im Behandlungsfall neben anderen Leistungen nach den Abschnitten C bis O (sogenannten Sonderleistungen) berechenbar- hinweisen. Die Ziffer 1 und/oder Ziffer 5 kann -falls nicht in Kombination mit Sonderleistungen (Röntgen, Verband, Sonografie etc.) - an mehreren Tagen in einem Behandlungsfall abgerechnet werden. In (Ausnahme-)Fällen in denen es zu einer -aus medizinischer Sicht erforderlichen- Zeitlichen Trennung kommt, auch mehrmals an einem Tag berechenbar (hierbei empfiehlt sich die Uhrzeit dieser Leistungen zu dokumentieren und ebenfalls in der Rechnung zu hinterlegen).

Entscheidung zur „wirtschaftlichen“ Abrechnung

Falls durch die Regelung -einmal im Behandlungsfall neben Sonderleistungen- der Ansatz Ziffer 1 und/oder Ziffer 5 nicht möglich ist, ist zu entscheiden welche Ziffernkombination „günstiger“ ausfällt. Beispiel: Verbandwechsel, Ansatz Ziffer 200 würde sich empfehlen auf die Ziffer 200 zu „verzichten“ und z.B.  die Ziffern 1 und 5 (21,44€) abzurechnen. Die Sachkosten für Ziffer 200 können aber in Ansatz gebracht werden. Bei Sonografie oder Röntgen ist in der Regel günstiger, auf die Ziffern 1 und/oder 5 zu „verzichten“ und die Ziffern (Sono, Röntgen) in Ansatz zu bringen.

Monatsfrist

Ein neuer Behandlungsfall entsteht, wenn sich der Monatsname geändert und das Datum im Kalender fortlaufend um mindestens „Eins“ erhöht hatte.  Oft wird die Monatsfrist fälschlich interpretiert und mit Anfang eines neuen Kalendermonats ein neuer Behandlungsfall definiert ebenfalls falsch ist die Aussage, dass mindestens 30 Tage zwischen den Terminen liegen müssen.

Neuer Behandlungsfall

Ein neuer Behandlungsfall innerhalb eines Zeitraumes von einem Monat ist aber möglich. Falls im laufenden Behandlungsfall eine neue Erkrankung auftritt die zuvor nicht vorlag oder sich die bestehende Erkrankung erheblich verschlechtert. In diesen Fällen sind die auf diesen neuen Behandlungsfall bezogenen Leistungen wieder berechenbar. Beispiel: Eine Wundheilstörung wäre ein „Grund“ einen neuen Behandlungsfall zu „starten“.


Lukas Meindl

Master of Science
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH