27.09.2018 Angemessene Vergütung?!

Kostenanstieg auch in der Privatabrechnung

In den vielen Gesprächen mit unseren Mandanten erhalte ich oft die Rückmeldung, dass die Behandlung von Privatpatienten zunehmend wirtschaftlich unattraktiv wird. Während die Kosten – vor allem in den Ballungsräumen – von Jahr zu Jahr kontinuierlich steigen, verharrt das GOÄ-Honorar seit 1996 auf dem gleichen Niveau. Um bei Privatpatienten die gleichen Einkünfte wie im Jahr 1996 erzielen zu können, müssten eine Ärztin/ein Arzt heute also etwa 30% mehr Leistungen erbringen.

Ob hier noch von einer „angemessenen“ Vergütung gesprochen werden kann?

Viele moderne, oft aufwendigere und kostenintensivere Behandlungsverfahren lassen sich in der „veralteten“ GOÄ trotz der Möglichkeit der Analogie nur noch schwer korrekt abbilden, auch hinsichtlich ihrer Bewertung. Und die Kostenträger haben naturgemäß ihre eigene Sichtweise darauf, was „angemessen“ bedeutet.

Die GOÄ enthält mit dem §2 ein Regulativ, mit dem z.B. für besonders aufwändige Behandlungsverfahren durch individuelle Vereinbarung ein höheres Honorar erzielt werden kann, als ursprünglich vorgesehen. Mit der sogenannten Honorarvereinbarung (Abdingung) vereinbaren Arzt und Patient für explizit zu nennende GOÄ-Positionen einen von der GOÄ abweichenden Faktor, z.B. Faktor 5,000 (was ein über 40% höheres Honorar für die Leistung im Vergleich zum GOÄ-Höchstsatz bedeuten würde). Dies ist für eine oder auch mehrere GOÄ-Leistungen möglich.

Der Arzt muss den Patienten allerdings wirtschaftlich aufklären, da nicht alle PKV-Tarife hierfür eine vollständige Erstattung vorsehen. Die Beihilfe wird per se nur bis zum Höchstsatz der GOÄ (bei ärztlichen Leistungen Faktor 3,500) erstattet. Bei dieser wirtschaftlichen Aufklärung wird dem Patienten meist schnell klar, dass es sich in der Regel nur um einen relativ geringen Selbstbehalt von wenigen hundert Euro handelt, im Vergleich zu der jeden Monat fälligen Prämie, die er an seine private Krankenversicherung bezahlen muss.

Honorarvereinbarungen sind in vielen Situationen denkbar: z.B. bei ambulant durchgeführten Eingriffen, die sonst meist stationär durchgeführt werden. Oder bei umfangreichen Beratungs-/Aufklärungsleistungen, wie der Reisemedizin oder Ernährungsberatung, für die in der aktuellen GOÄ nun wirklich kein auskömmliches Honorar vorgesehen ist.

Sie möchten gerne mehr über die Möglichkeit der Honorarvereinbarung wissen?
In unserem Online-Portal unter „Allgemeines“ finden Sie ab sofort eine Muster-Honorarvereinbarung nebst „Checkliste“. Natürlich beantworten unsere Mitarbeiter gerne auch Ihre individuellen Fragen zur Honorarvereinbarung.

Wir freuen uns natürlich auch über Ihr Feedback!

Joachim Zieher

Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH
Abrechnungsexperte
Seit über 20 Jahren im Dienste des Arztes