17.05.2018 Videosprechstunde privat

Vor einem Jahr hat die Videosprechstunde Einzug in den GKV-Katalog gefunden. In vielen interessierten Praxen dürfte die notwendige „technische Infrastruktur“ zwischenzeitlich vorhanden sein. Wie lässt sich nun diese sicherlich sinnvolle und in Zukunft wohl auch häufiger von Patienten nachgefragte Leistung gegenüber Privatpatienten abrechnen?

Generell bieten sich für diese Art der „Konsultation“, bei der vor allem ja Beratungsleistungen erbracht werden und ggf. auch eine einfache „visuelle symptombezogene Untersuchung“, die entsprechenden „klassischen“ Positionen an, die vermutlich noch nicht einmal „analog“ verwendet werden müssen:

Ziffer 1:   Beratung, ggf. auch telefonisch

Ziffer 3:   Eingehende Beratung, mindestens 10 Minuten,
                ggf. telefonisch

Ziffer 4:   Erhebung der Fremdanamnese und/oder Unter-
                weisung und Führung der Bezugsperson

Ziffer 34: Erörterung einer nachhaltig lebensverändernden
                oder lebensbedrohenden Erkrankung, mindestens 20 Minuten

Ziffer 5:   Symptombezogene Untersuchung

Die für eine Videosprechstunde erforderliche spezielle, gesicherte Infrastruktur, die u.U. nicht unerhebliche Kosten beim Leistungserbringer verursacht, wäre dabei aber nicht wirklich berücksichtigt. Dafür einen höheren Faktor anzusetzen, wäre nach den derzeitigen Regeln der GOÄ allerdings nicht zulässig.

Man könnte natürlich in der Videosprechstunde auch einen "virtuellen Hausbesuch" sehen und dafür die Ziffer 50 analog heranziehen (bei Faktor 2,300 wären das zumindest 42,90 €). Die Ziffer 50 beinhaltet dabei eine Beratung (Ziffer 1) und eine symptombezogene Untersuchung (Ziffer 5). Die durch das Vorhalten der erforderlichen technischen Infrastruktur entstehenden Mehrkosten für den Leistungserbringer wären durch den höheren Betrag bei der Besuchsleistung im Vergleich zur Einzelberechnung von Ziffer 1 und 5 (zusammen ca. 22 €) adäquat abgegolten, denn für den Arzt entfällt ja der Aufwand des "Weges" (für den er allerdings beim "echten" Besuch auch noch Wegegeld berechnen könnte).

Derzeit ist uns keine „offizielle“ Abrechnungsempfehlung bekannt, so dass man sich – natürlich nur im Rahmen der Regeln der GOÄ – durchaus auch "ausprobieren" kann und abwarten muss, wann Gebührenordnungsausschuss, Ärztekammer oder Gerichte einen (verbindlichen) Abrechnungsmodus für die private Videosprechstunde festlegen werden.

 

Joachim Zieher

Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH
Abrechnungsexperte
Seit über 20 Jahren im Dienste des Arztes