11.12.2017 - Mögliche Problemfelder

Meine Erfahrungen zu Lösungsansätzen

Die untenstehenden Ausführungen sind ein Versuch, je nach Alter und Konstellation der Praxis, selektiv subjektiv wahrgenommene Problemfelder aufzuzeigen und mögliche Lösungsansätze auf Basis meiner über 50-jährigen Erfahrung vorzuschlagen.

Szenario 1 – Niedergelassene bis 55 Jahre

Einzelpraxis:

  • Ist mein Modell noch zeitgerecht?
    Wenn volle Identifikation (sie muss gelebt werden): Ja
    Wenn psychisch und physisch machbar: Ja
    Wenn (aus eigener Beurteilung) kaum teamfähig: Ja
    Wenn ausschließlich Eigenverantwortlichkeit präferiert werden soll: Ja
    Wenn Haftungsübersicht (alleine verantwortlich, zivilrechtlich, strafrechtlich, deliktisch) gewünscht: Ja
    Wenn Angebot von Kernkompetenz und Alleinstellungsmerkmalen (insb. bei Facharztpraxen) angestrebt sind: Ja
  • Soll ich investieren? (Kaufen oder leasen)
    Wenn ethisch gewollt, dennoch vorsichtig wirtschaftlich geplant: Ja  (Vorsicht bei baulichen Maßnahmen Angebot x 3!)
  • Soll ich leasen? Meistens „bequemer“ aber teurer: jein
  • Soll ich den Mietvertrag überprüfen: Ja
    Auf voraussichtliche Aufgabe abgestimmt: Ja
    Option für eventuelle Übernahme einbauen: Ja
    Auflösungsmöglichkeit bei Berufsunfähigkeit: Ja

BAGs bis zu 4 Ärzten bzw. PGs alle unter 55 Jahre:

  • Sollten wir durch Sitz-/Praxisaufkauf bzw. Teilung der vorhandenen Sitze zwecks Neuaufnahme erweitern?
    Wenn die Partnerschaftskultur überwiegend stimmt; grundsätzliche uneingeschränkte Einstimmigkeit besteht: Ja
    Wenn ein belastbares Gewinnverteilungssystem besteht: Ja
    (aber nicht, wenn es kurz vor der Einführung steht!)
    Wenn Einigkeit über den bestehenden BAG-Vertrag besteht: Ja
    Wenn Monopolsituationen damit geschaffen werden: Ja
    Wenn der Umgang mit Familienangehörigen als Angestellte klar
    geregelt ist: Ja
    Wenn Vorbehalte – auch emotionale – bestehen: Nein

Szenario 2 – Niedergelassene über 55 Jahre


Einzelpraxis:

  • Soll ich den Markt sondieren? Ja
  • Soll ich einen Jobsharingpartner aufnehmen?
    Wenn wirtschaftlich sinnvoll (gelockerte Voraussetzungen für diese Situation berücksichtigen!) Ja
  • Einen Entlastungsassistenten anstellen?
    Wenn genehmigt und größere Flexibilität gewünscht: Ja
  • Soll ich mich extern orientieren, d.h. Kontakt mit Klinik aufnehmen? Ja
  • Kontakt mit Fachkollegen/Praxisnetzwerk aufnehmen: Ja
    (Wenn Vertraulichkeit zugesagt und gewährleistet ist (zumindest
    mit größter Wahrscheinlichkeit)).
  • Soll ich bereits eine Wertvorstellung meiner Praxis haben?
    Wenn realistisch durch einen Sachverständigen für die Bewertung
    von Arzt- und Zahnarztpraxen (nicht durch KV bzw. „andere Experten“) festgestellt: Ja
  • Soll ich den Mietvertrag meiner Lebensplanung anpassen?(Insbesondere Verlängerungsoption überprüfen): Ja
  • Soll ich (noch) investieren?
    Wenn überschaubar – in transportable Geräte: Ja
    Wenn bauliche Veränderungen (außer Schönheitsreparaturen), nur wenn Weiterführung der Praxis in den Räumlichkeiten geplant: Ja, ansonsten: Nein
    Wenn noch größere Anschaffungen notwendig? Jein! (Expertenrat einfordern) Empfehlung: geschätzte Baukosten x 3 = realistische Investitionsgröße (s.o.)
  • Wenn mein Sohn/Tochter übernimmt, brauche ich dann eine Wertvorstellung?
    Allein schon aus steuerlichen Gründen: Ja
    Brauche ich dann einen Vertrag? Ja (Vertrag wie unter Fremden erstellen).

 

BAGs bzw. PGs- zumindest 1 Partner über 55 Jahre:

  

  • Sollten wir praxisintern den Ausstieg simulieren?
    Anhand des bestehenden Vertrages: Ja
    Was sollten wir tun, wenn der Vertrag unzureichend, unrealistisch, unvorteilhaft (für wen auch immer) geregelt ist?
    Vertrag generalüberholen (Berufsunfähigkeit, Tod, Ausscheidung) anpassen durch Fachanwälte für Medizinrecht!
  • Sollten wir ein Praxiswertgutachten erstellen lassen?
    Auf jeden Fall durch einen Sachverständigen für die Bewertung von Arzt- und Zahnarztpraxen.
  • ...auch wenn zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch kein Ausscheiden geplant ist?
    Auch dann und alle 3 Jahre fortschreiben lassen.
    Sollten wir frühzeitig die Weichen für einen Verkauf (wegen des GKV / VSG Aufkaufsolls) stellen? Unbedingt: Ja

 

Szenario 3 – BAGs bzw. PGs und größere MVZ‘s

(siehe auch Szenarien 1 + 2 für BAGs)

 

MVZs und große BAGs über 4 Ärzte:

 

  • Was sollen wir allgemein priorisieren?
    Festlegung auf die Parameter für die Praxisbewertung aufgrund der aktuellen Rechtsprechung nach dem modifizierten Ertragswertverfahren.
    Festlegung der Ausscheideregelung bei Verkauf, Berufsunfähigkeit (auch deren Definition!), Tod, insbes. dann, wenn eine differenzierte Gewinnverteilung praktiziert wird (s.o.).
    Beachtung einer machbaren Konkurrenzschutzklausel.
    Festlegung einer Unternehmens- und Marketingstrategie (je größer das Konstrukt desto wichtiger).
    Versuch der Akzeptanz bei der Mitarbeiterführung des Grundsatzes „Führung ist unteilbar“, d.h., Resortaufteilung und u.a. Mitarbeiterzuordnung.

 

Dr. rer. pol. Rudolph Meindl
Diplomkaufmann

Öffentlich bestellter (bis zum 70. Lebensjahr) und vereidigter
Sachverständiger für die Bewertung von Arzt- und Zahnarztpraxen