10.05.2007 - Der Gewerbesteuer entgehen

 

 

Rechtsanwälte, Ärzte und andere Freiberufler teilen sich oft ein Büro mit Kollegen. Das spart nicht nur Kosten, es ist auch gut für's Geschäft, denn Mandanten und Patienten bekommen am selben Ort bei mehreren Spezialisten Rat. Rechtlich sind solche Gemeinschaften meist Gesellschaften des bürgerlichen Rechts.

Vorsicht ist aber geboten, wenn die Kollegen auch nach außen hin als Gesellschaft auftreten, wenn sie Fälle gemeinsam annehmen und bearbeiten. Dann haftet jedes Mitglied für die Fehler des anderen und außerdem kann auch der Fiskus unangenehm werden, denn Freiberufler zahlen im Regelfall nur Einkommensteuer und werden nicht zur Gewerbesteuer herangezogen, wie etwa ein Handelsunternehmen.

Doch das kann sich schnell ändern, falls ein Freiberufler auch nur in geringem Ausmaß gewerblich tätig wird. Wenn er in einer nach außen auftretenden Sozietät arbeitet, werden sämtliche Einkünfte der Gesellschaft vom Finanzamt als gewerbliche Einkünfte behandelt, also auch die seiner Kollegen. Dann muss die ganze Gesellschaft Gewerbesteuer zahlen.

Risikoreich leben etwa Ärzte in Fällen der Integrierten Versorgung. Sie vereinbaren mit den Krankenkassen, dass sie die Patienten nicht nur medizinisch betreuen, sondern auch Medikamente abgeben. Aus der medizinischen Betreuung erzielen sie dann nichtgewerbliche Einkünfte, die Einkünfte aus der Abgabe von Medikamenten hingegen sind gewerblich.

Laut einem Urteil des Bundesfinanzhofs v. 11.8.1999, Aktenzeichen XI R 12/98) färben gewerbliche Einkünfte einer Gemeinschaftspraxis auf die nichtgewerblichen ab, falls die gewerblichen mehr als 1,25 Prozent vom Gesamtumsatz ausmachen. Das Bundesfinanzministerium hat die Finanzämter angewiesen, diese Grenze zu beachten und auf Fälle der integrierten Versorgung anzuwenden. (Schreiben vom 01.06.2006, Aktenzeichen IV b 2 S 2240 33/06).

Auch andere Freiberufler in Gemeinschaftspraxen oder Sozietäten sollten genau auf ihre gewerblichen Einkünfte achten, um sich vor dem Gewerbesteuerzugriff des Fiskus zu bewahren.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 17.12.2006 
(Verfasser: Christoph Spiekermann