05.09.2014 - WAS KOMMT INS DEPOT?

 

 

Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite haben die Finanzmärkte die Krise hinter sich gelassen. Viele Anleger befinden sich jedoch nach wie vor in ihrem Bann. Dabei hat sich die Finanzwelt durch die entschlossenen Eingriffe der Notenbanken entscheidend verändert. Die neue Realität verlangt nach einem Umdenken im Anlageverhalten.

An Aktien führt kein Weg vorbei

Wer langfristig ein Vermögen aufbauen will, kommt an Aktien nicht vorbei. Das liegt vor allem an dem anhaltend niedrigen Zinsniveau, das viele alternative Anlagemöglichkeiten unattraktiv macht. Zudem sprechen steigende Unternehmensgewinne infolge besserer Konjunkturaussichten für diese Assetklasse. Zwar sind Investitionen in einzelne Aktien grundsätzlich mit Risiko verbunden, und auch der Gesamtmarkt kann in manchen Jahren zweistellig fallen. Durch eine breite Streuung lässt sich das Risiko aber deutlich reduzieren und wird auf lange Sicht immer durch einen Renditeaufschlag entlohnt: Je mehr Jahre der Anlagezeitraum umfasst, desto höher ist nicht nur die Chance, Gewinne zu machen, sondern auch eine Rendite von z. B. 4 % oder 6 % p. a. zu erreichen.

Anleihen: Zinslose Risiken statt risikolose Zinsen

Letzteres ist mit festverzinslichen Wertpapieren heute praktisch unmöglich. Die aktuelle Rendite guter Anleihen von 1-2 % kompensiert gerade einmal die Geldentwertung in Deutschland. Zudem hat sich die Wahrscheinlichkeit von Kursverlusten deutlich erhöht – wenn die Zinsen dann langfristig wieder steigen und Papiere mit entsprechend höheren Kupons auf den Markt kommen. Insofern gelten Anleihen mittlerweile vor allem als nahezu zinslose Risiken, während früher bei guten Staatsanleihen von risikolosen Zinsen gesprochen wurde.

Was bedeutet das für die Zusammensetzung des eigenen Depots?

Die klassische Anlagestrategie – 80 % in Anleihen für eine stabile Basisverzinsung und 20 % in Aktien für zusätzliche Ertragschancen – geht heute nicht mehr auf. Um einen nachhaltigen Vermögensaufbau zu ermöglichen, sollte der Aktienanteil deutlich erhöht werden.

Innerhalb der Aktienmärkte bieten sich Investitionen in Industrieländern an. Nach wie vor sind die Schwellenländer Zugpferde für das langfristige globale Wachstum. Nach einer deutlichen Korrektur aufgrund der vielfältigen strukturellen Probleme könnten sie, insbesondere bei einem aktiven Risikomanagement, zunehmend attraktiver werden. Bei den Renten lohnen Unternehmensanleihen aufgrund der höheren Verzinsung mehr als die staatlichen Produkte.

Neben Aktien und Renten gehören Immobilien und Rohstoffe in jedes Depot. Gerade Wohnimmobilien werden weiterhin von den niedrigen Zinsen begünstigt. Da Rohstoffe konjunkturabhängig sind, ist hier mit Blick auf die wirtschaftliche Erholung und dem damit verbundenen Nachfrageschub für 2014 ein Preisanstieg zu erwarten. Doch kommt es auf die Auswahl des Rohstoffes an. Denn bei einzelnen Produkten besteht wegen Kapazitätsausweitungen in der Vergangenheit ein Angebotsüberhang, der eine Verteuerung zunächst verhindern könnte.

Fazit: Für einen nachhaltigen Vermögensaufbau spielen Aktien eine wichtige Rolle. Die damit verbundenen Risiken lassen sich durch eine breite Streuung – auch über verschiedene Anlageklassen – gezielt begrenzen.

 

Dr. Hanno Kühn
Chief Investment Officer Deutsche Apotheker- und Ärztebank, Düsseldorf
Tel: 0211-59980
www.apobank.de