05.09.2014 - NEUE GOÄ: ZWÖLF KERNANFORDERUNGEN

 

 

Die neue GOÄ bleibt weiterhin ein heiß diskutiertes Thema. Im Rahmen des bayerischen Fachärtzetages durften wir die zwölf wichtigsten Anforderungen an eine kommende GOÄ aus Sicht einer privatärztlichen Abrechnungsstelle vorstellen. Diese wurden vor allem aus den vielen Gesprächen mit unseren Mandanten gezogen und unserer Erfahrungen im Umgang mit der PKV/Beihilfe:

Anforderung 1: Das "Überhaupt" und damit Erhalt einer eigenen Privat-GOÄ:
Wichtig ist ein Signal der Politik, dass es auch in Zukunft eine eigenständige Gebührenordnung für Selbstzahler geben wird. Die GOÄ ist für Privatpatienten und für Selbstzahler-Leistungen da! Eine starke, verlässliche Gebührenordnung, auch auf eine mögliche Bürgerversicherung hin, ist deshalb unabdingbar.

Anforderung 2: Erhalt der Einzelleistungsvergütung und nur "sinnvolle" Leistungskomplexe:
Die Einzelleistungsvergütung muss erhalten bleiben. Leistungskomplexe müssen die Ausnahme bleiben und nur dort Einsatz finden wo dies absolut sinnvoll und nachvollziehbar ist.^

Anforderung 3: Erhalt aufwandsabhängige Faktorerhöhung:
Die ärztliche Leistung muss auch weiterhin aufwandsgerecht vergütet werden können – keine starre Gebührenordnung wie beim EBM.

Anforderung 4: Erhalt "Analog-Bewertung" (neue diagnostische Verfahrung, Therapien etc.):
Die Gebührenordnung muss weiterhin offen für die Abrechnung neuer Therapien bleiben und damit die Möglichkeit bieten, den medizinischen Fortschritt abzubilden.

Anforderung 5: Erhalt "Honorarvereinbarung/Abdingung":
Da die Gebührenordnung verpflichtende (wirtschaftliche) Grundlage der ärztlichen Abrechnung bleiben wird, muss zumindest über die Höhe des Honorars zwischen Leistungserbringer und Zahlungspflichtigen "abweichend" verhandelt werden können, damit auch für sehr aufwendige diagnostische und/oder therapeutische Verfahren eine angemessene Vergütung möglich ist.

Anforderung 6: Betriebswirtschaftlichen Grundsätzen folgende (laufende) Bewertung der Leistungen (subjektive wie objektive Honorargerechtigkeit):
Wenn eine Leistung nachvollziehbar betriebswirtschaftlich bewertet wurde, dann ist sie das wert und braucht weder Mengenbegrenzungen noch andere honorarbegrenzende Regelungen. Wenn eine Leistung medizinisch notwendig war, dann muss sie auch voll berechenbar sein, ohne Abschläge!

Anforderung 7: Ausbau von "Helferinnen"- Leistungen bzw. delegationsfähiger Leistungen auch hinsichtlich deren Bewertung und rechtssicherer Anwendung:
Häufige Leistungen, die nicht vom Arzt selbst, sondern von nicht-ärztlichem Personal erbracht werden, müssen in eine GOÄ neu einfließen und entsprechend gekennzeichnet sein, damit auch bezüglich dieser "Delegation" eine rechtssichere Abrechnung der Leistungen möglich wird.

Anforderung 8: Endgültige Absage an eine "Öffnungsklausel":
Die Möglichkeit, das PKV-Unternehmen mit Ärzten, Ärztenetzen oder -verbänden eine von der GOÄ abweichende Vereinbarung schließen, wäre unseres Erachtens nach fatal und würde früher oder später vermutlich zu KV/EBMähnlichen Verhältnissen auch bei den Privatpatienten führen.

Anforderung 9: Laufende, rechtssichere Anpassung der GOÄ an neue medizinische Möglichkeiten.

Anforderung 10: Bereinigung der GOÄ von "unsinnigen" Regelungen oder Abrechnungsbeschränkungen.

Anforderung 11: Keine "Deckelung" durch die Hintertür (s. GOZ-Einführung).

Anforderung 12: Klare, rechtssichere Regeln und keine "Gummi-Paragraphen" wie z.B. das aktuelle Zielleistungsprinzip.

Die GOÄ ist eine Vergütungsverordnung und sollte letztlich hierüber auch nur die Vergütung der ärztlichen Leistung nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen und medizinischen Anforderungen regeln. Es sei die Frage erlaubt, warum bei der Entwicklung einer GOÄneu die Kostenträger (PKV und Beihilfe), mit ihren diametral dazu stehenden Interessen, aktiv beteiligt werden sollten? Oder dürfen Sie die Preise z.B. Ihrer Öffentlichen Verkehrsmittel mitbestimmen?

Eine Zusammenfassung der einzelnen Forderungen und den Link zum vollständigen Vortrag finden Sie auf unserer Homepage www.verrechnungsstelle.de

 

Joachim Zieher
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH
Abrechnungsexperte
Seit 1996 im Dienste des Arztes