05.09.2014 - QUO VADIS ARZTPRAXIS ?

 

Fortsetzung des Leitartikels aus dem Infobrief 2/2014

Die Arztbewertungsportale

Eine steigende Bedeutung messe ich auch den Arztbewertungsportalen bei. Die Internet-Abhängigkeit der deutschen Patienten wird sich progressiv erweitern. Dies zeigt auch eine aktuelle Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen- Nürnberg in Kooperation mit dem Arztbewertungsportal Jameda, welche bei 1.500 Teilnehmern durchgeführt wurde und (auszugswese) zu folgenden Ergebnissen gelangte:

63 % der Teilnehmer der Umfrage suchen ihren Arzt über das Internet, 32 % kannten bereits eines der Bewertungsportale, wogegen weitere 32 % noch nie von einem solchen gehört haben.

Über 35 % haben bereits bei der Suche nach einem Arzt auf mindestens eines der Portale zurückgegriffen und 11 % der Studienteilnehmer haben eine Bewertung durchgeführt. Äußerst interessant ist dabei, dass 65 % der Befragten, die bereits ein Portal bei der Arztsuche genutzt haben, sich schon aufgrund einer Bewertung auf einem Arztbewertungsportal für einen Arzt entschieden und diesen auch aufgesucht haben.

Ein weiterer, sehr interessanter Aspekt, der die Gefährlichkeit dieser Arztbewertungsportale dann aufzeigt, wenn – aus welchen Gründen auch immer – Negatives aufgeführt wird, ist die aus dieser Studie gewonnene Erkenntnis, dass 52 % der Teilnehmer der Studie sich aufgrund der Negativbewertung eines Arztes schon einmal dahingehend haben beeinflussen lassen, dass sie sich gegen diesen Arzt entschieden und diesen dann auch nicht aufgesucht haben.

Ich halte es angesichts dieses eindeutigen Trends für absolut sinnvoll, sich professionell im Netz zu präsentieren, denn die Gesundheitsansprüche der Bevölkerung wachsen, obwohl eine Studie von Deloitte aufzeigt, dass 62 % der deutschen Bevölkerung mit dem Gesundheitswesen zufrieden sind (warum also hackt die Journaille immer auf den Ärzten herum?), aber gleichzeitig erwarten diese zufriedenen Patienten deutliche Verbesserungen in der Versorgung1).

Das Standesrecht / Steuerrecht


Verfehlungen gegen diese Gesetzesvorschriften – sei es durch Falschberatung, Naivität, bedingten oder gar kalkulierten Vorsatz – werden in Zukunft durch dafür speziell ausgebildete Personen stärker und genauer verfolgt. Der Grundsatz "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht" gilt insbesondere für die eventuell Betroffenen.

Fazit:


Der Arzt in seinem bipolaren Spannungsfeld Unternehmer und Arzt wird weiter bestehen können. Die an diesem Gesundheitsmarkt Interessierten, ob wirtschaftlich motiviert oder politisch inspiriert, werden immer dafür sorgen, dass (konstruktive?) Unruhe herrscht.

Eines steht jedoch momentan meines Erachtens fest (und dies ist sicherlich kein Nachteil):

  • Es wird keine Bürgerversicherung geben,
  • es werden keine Last-Minute-Gesetze verabschiedet (wie dies in der letzten Zeit ja immer wieder der Fall war),
  • die Krankenhäuser werden bei der ambulanten Versorgung maßgeblich an Bedeutung zunehmen
  • und die Verknappung der ärztlichen


Leistungen durch die geforderte Life-Balance der jüngeren Generation und durch den hohen Anteil der Frauen wird den Arztberuf als solchen weiterhin attraktiv halten,

  • Delegation von ärztlichen Leistungen wird es geben, Substitution ist sicherlich ein spannendes Thema, bedingt durch den Ärztemangel aufgrund bekannter Gründe – dies wird auch kommen, aber erst mittelfristig.


Dr. rer. pol. Rudolph Meindl
Diplom-Kaufmann
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH
Seit über 46 Jahren im Dienste des Arztes



1) Quelle: Rebmann, Bernd Dr., Jahrbuch für Ärzte und Zahnärzte 2014 (in Zusammenarbeit mit der Sparkassenfinanzgruppe, Seite 68 ff.)