25.08.2016 - Die neue GOÄ - kommt sie? Wenn JA, nicht mehr in dieser Legislaturperiode

 

 

Eines vorweg; die meisten Beteiligten sind sich im klaren: Die neue GOÄ wird nicht mehr in dieser Legislaturperiode kommen. Dann gilt es als elementaren Gedanken das („Horror“)- Szenario durchzuspielen. Wenn Rot / Rot / Grün käme, dann käme Lauerbach, dann gibt es nach seiner klaren unverrückbaren Meinung kein Privatklientel. Warum sollte er sich mit all den konstruktiven, die Leistungen der Ärzte fair widerspiegelnden GOÄ-Auswirkungen befassen, wenn gemäß ihm, die Ärzte ohnehin viel zu viel verdienen und die Privatpatienten durch die Bürgerversicherung abgeschafft werden?

Ein Appell an dieser Stelle, 18 Monate vor den Wahlen: Jeder Arzt, dem an seiner kaufmännischen beruflichen Zukunft gelegen ist, muss jetzt schon alles dafür tun, dass es Rot / Rot / Grün nicht geben wird!

Meine Gedanken, zu den am 119. Ärztetag vorgegeben „Leitplanken“ für die neu GOÄ:

1. Die Integration der medizinisch/wissenschaftlichen Erkenntnisse des Jahr 2016 in die Leistungsbewertung ist unumgänglich und müsste überhaupt nicht erwähnt werden.

2. Dieser Leistungsbewertung folgende betriebswirtschaftliche Kalkulationen, ist nicht nur notwendig, sondern lebensnotwendig. Denn meines Erachtens liegt der Grundmakel der unzureichenden Vergütungen über die GOÄ, neben der Tatsache, dass der technische- und medizinische Fortschritt nicht mehr abgebildet ist, insbesondere im Fehlen der betriebswirtschaftlichen Kalkulationsgrößen.

3. Als Konsequenz aus 2. finde ich die Forderung nach externen Experten, die zusätzlich ein externes Projektmanagement errichten sollen, als wichtig. Die dafür zur Verfügung gestellten Finanzmittel von 2 Mio. sind lächerlich. Vor allen Dingen dann, wenn „wirkliche“ Experten ans Werk gerufen werden sollen.

4. Als Konsequenz aus 3. ist es nur logisch und konsequent, dass die BÄK (vor den Verhandlungen mit der PKV und der Beihilfe),um die statische und dynamische Simulationen in die Auswirkungen der GOÄ abschätzen zu können, eben diese externe, sich auf die Gesundheitsökonomie spezialisierte, Expertengruppe, erstellen lässt. Ich hoffe nur, dass sich diese Expertengruppe klar und deutlich der unumstößlichen Tatsache bewusst ist, dass bei allen selbständigen Konstrukten von niedergelassenen Ärzten die kaufmännischen Grundregeln, insbesondere unter der Berücksichtigung von kalkulatorischen Kosten (kalkulat. Abschreibung, turboisiert durch die moralische AfA, kalkulat. Risiko und kalkulat. Unternehmerlohn) erweitert werden.

5. Wichtig ist es, dass nicht nur eine statische Feststellung des medizinisch/technischen Fortschritts, Stand 2016, in die GOÄ einfließt, sondern fortlaufend diese Fortschritte, sowohl in der Diagnostik, wie auch in der Therapie, in die GOÄ einfließen werden.


6. Sehr wichtig und interessant finde ich den Vorschlag, dass die Mitglieder des BÄK-Vorstandes, sowie alle ärztlichen Mitglieder, die bei der Verhandlung mit der PKV und der Beihilfe integriert sind, ihre Mitgliedschaft(en) in Gremien, Beiräten und Arbeitskreisen und sonstigen institutionalisierten Verbindungen,den privaten Krankenversicherern offen legen. Eine außerordentlich wichtige Forderung.

7. Einer der Gründe des Ausstiegs aus den Verhandlungen war die Tatsache, dass ausschließlich und nur die PKV die Vorlage für die GOÄ, auf Basis von deren Ausgabenstatistiken, durchführte. Die BÄK sowie die sich laut Punkt 4. bildende Expertengruppe sollte nicht „blind“ den Zahlen der PKV vertrauen, sondern auch über unparteiische Statistiken verfügen! Aber weder unsere Verrechnungsstelle, noch einer unserer Mitbewerber (soweit uns bekannt), wurde über statistisches Material seitens der Beteiligten gefragt. Die Forderung von Montgomery, dass auch die BÄK versuchen sollte, an diese Ausgabenstatistiken durch unterschiedliche Quellen heranzukommen, ist richtig.

Die Meinung der meisten Beteiligten ist, dass die GOÄneu diese Legislaturperiode nicht kommen wird. Ein weiteres („Super- Horror“)-Szenario wäre das Inkrafttreten einer „Hybrid-GOÄ“, die sich aus dem neuen Paragrafenteil (in allen Publikation wurde als Hauptausstiegskriterium der Leistungslegendenteil genannt; der Paragrafenteil wurde nicht explizit betont) und dem bisherigen Leistungszifferteil zusammenstellen würde – hier hätten Sie, liebe Ärzte, ohne einen adäquaten betriebswirtschaftlichen Vorteil, alle Hürden des Paragrafenteils (Positiv-/Negativlisten, Steigerungen, robuster Einfachsatz (auch in Kombination mit IGel), Ambulanzzuschlägen, Auslagenausweisungen, Analogleistungen, Honorarvereinbarungen, Überprüfung nach 36 Monaten nach Einführung der GOÄneu etc.) zu überwinden.

 

Lukas Meindl
Master of Science

Unternehmensführung

Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH