30.08.2006 - Quo vadis Arztpraxis?

 

 

Mehr und mehr kristallisiert sich das "wahre Gesicht" von Frau Schmidt heraus. Obwohl ... ganz wird es nicht zu erkennen sein, hat sie doch ihr Talent zu politischer Taktik, das sie in den siebziger Jahren als Kommunistin in K-Gruppen erstmals übte, als Ministerin zur Perfektion gebracht. Nun will sie zum großen Schlag ausholen, indem sie folgendes Szenario – aus meiner subjektiven Perspektive, basierend auf penibler, dauerhafter Beobachtung ihrer subalternen Taktik – ablaufen lassen möchte:

Da sind zum einen das bereits vor 3 Jahren in Kraft getretene GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) und das spätestens zum 01.01.2007 in Kraft tretende Vertragsarztrechts-Änderungsgesetz (VÄndG) und zum anderen das "Wettbewerbsstärkungsgesetz " (für alle KK). Durch die ersten beiden Gesetze ist die Forderung nach sehr viel – vielleicht sogar ruinösem - Wettbewerb (Eintritt der zum Teil maroden und damit zu kamikazeartigen Aktivitäten getriebenen KH in die ambulante Versorgung ) durch alle Politiker umgesetzt.
Diese neue Ausrichtung auf wesentlich mehr Wettbewerb, Dienstleistung und Effizienz wird neben der Veränderung der Aufgaben des KV-Systems auch die niedergelassenen Ärzte grundlegend verändern. Über die Definition der Freiberuflichkeit wird nun neu nachgedacht werden müssen, da sie eine immer größer werdende Rolle spielen werden.
Der Einzelkämpfer muss – zumindest in den Ballungsräumen – alle Alternativen prüfen, denn nur Subspezialisierung bzw. "Nischenangebote" werden ihn überleben lassen. Das Alter "in den nächsten paar Jahren wird mir nichts mehr passieren" stellt keinen Schutzwall mehr dar, insbesondere nicht, wenn es um den Verkauf seiner Praxis geht. Durch diese von allen Parteien gewollte Konzentration, da wettbewerbsfördernd, wandelt sich der Leistungserbringer-"Markt" vom Polypol (viele Einzelpraxen bieten viel Leistung an) zum Oligopol, d.h. Konzentration der Ärzte und damit des Leistungsangebotes auf wenige große Zentren (in Ballungsgebieten). Grundsätzlich wäre dieser Entwicklung nichts entgegen zu setzen, zumal größere unternehmerische Einheiten auch eine stärkere Wirtschaftskraft haben. Aber dieser Entwicklung steht das politische Diktat des Honorartopfs (eine ehemalige Kommunistin wird es nie zulassen, dass dieser ausreichend ist), mit dem die Ärzte irgendwie gelernt haben, umzugehen, entgegen. Jetzt kommt der Hammer mit dem "Wettbewerbs-Stärkungsgesetz" für alle Krankenkassen, das in Wirklichkeit ein Gesetz ist, das Wettbewerb (unter den Kassen) verhindert. In Wirklichkeit zielen die bekannt aktuell gewordenen Reformpläne auf die Einführung einer staatlich kontrollierten Einheitskasse hin. Das ist Staatsmedizin pur!
Auch die privaten KK, die sie schon seit längerem zerschlagen möchte, will sie mit einem eigenen Gesetz in das Korsett der Staatsmedizin zwängen.
Das Ziel ist klar: Erhöhung des Wettbewerbs unter den Anbietern, d.h. unter den Ärzten (dadurch fallende Preise für die Leistungserbringung), unter gleichzeitiger Konzentration auf wenige Einheiten (MVZ und andere),
die trotz ihrer wirtschaftlichen Stärke nur einem KK-Vertragspartner, nämlich der Einheitskasse gegenüber stehen, die den Preis diktiert (Monopolist -Wettbewerb und Kontrahierungszwang vertragen sich auf Dauer nicht)! Das ist Staatsmedizin pur!!²
(Dumpingverträge mit den Ärzten und dadurch verursachte Qualitätseinbußen in der Versorgung werden die Folge sein. Die Bürokratie wird
wuchern und die politisch gewollte Entmündigung der Patient-Arzt-Beziehung wird eskalieren.) Plassmann (KV HH) spricht von einer "Mogelpackung". Dr. Späth (Vors. KV Vertr. Vers.) spricht von "hinterhältiger Taktiererei" (s.o.).

Beim nächsten Mal werde ich wieder versuchen, Werkzeuge aufzuzeigen, die Sie als niedergelassener Arzt unter anderem in die Lage versetzen könnten, dem unerhörten Druck zu widerstehen, denn wer die Zukunft gestalten will, muss die Vergangenheit kennen, das Bewährte weiter entwickeln, das Hinderliche beseitigen und das Neue in Angriff nehmen.

1) So kaufte das Städtische Klinikum Nürnberg in dem Jahr, in dem es einen Verlust von 17 Mio. € öffentlich in den Nürnberger Nachrichten zu vermelden hatte, gleichzeitig die maroden Landkrankenhäuser Hersbruck, Lauf u. Altdorf allein zum Zwecke der Positionierung für die ambulante Versorgung, (was [Anmerkung d. Verfassers] für die an der ambulanten Versorgung beteiligten niedergelassenen Ärzte in der Region dann sogar kein Nachteil sein könnte, wenn diese aufpassen).
2) Karl-Marx’sches Gedankengut lässt grüßen. Die Konzentration führt zur Verelendung (Konzentrationstheorie und Verelendungstheorie). Warum kann dies nicht sektoral im Gesundheitswesen für die Ärzte gelten [....denkt vielleicht eine ehemalige Kommunistin .....!?].

 

Dr. rer. pol. Rudolph Meindl
Diplom-Kaufmann
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verechnungsstelle GmbH