30.05.2006 - Quo vadis Arztpraxis?

 

 

1. Örtliche und überörtliche Berufsausübungsgemeinschaften sind zugelassen und die vertragsärztliche Tätigkeit an weiteren Orten ist erlaubt.
Kommentar: Ein weiterer Indikator dafür, dass die Konkurrenzsituation unter den Ärzten gewollt und gewünscht ist.

2. Die Altersgrenzen für den Zugang zur vertragsärztlichen Tätigkeit (55 Jahre) und für die Beendigung der vertragsärztlichen Tätigkeit (68 Jahre) werden in "unterversorgten Planungsbereichen" aufgehoben.
Kommentar: Wann ist ein Bereich unterversorgt? Hierüber wird es in der Zukunft keine messbaren Zahlen mehr geben, da das Erstellen von Planzahlen dem Gesetzgeber nicht mehr erlaubt ist [siehe später]. Ich sehe den Grund für die Aufhebung dieser Altersgrenzen nicht allein im Bereich der Sicherstellung der Versorgung. Die Politiker treiben ein unwürdiges Spielchen mit den älteren Ärzten, indem sie sie zu Nothelfern auf Zeit degradieren, weil sie ja die 68jährigen nur dann weiterarbeiten lassen, "bis die Unterversorgung wieder behoben ist".

3. Die Haftung für Verbindlichkeiten für Mitglieder von MVZ’s ist gegenüber den KV’en und KK im Falle der Auflösung des MVZ’s gesamtschuldnerisch auf die früheren Gesellschafter verteilt.
Kommentar: Hier pervertiert das Arztrecht die herkömmliche Rechtsposition,  geregelt im sog. GmbHGesetz, gemäß dem grundsätzlich keine persönliche Haftung der Gesellschafter aus dem gewöhnlichen Geschäftsbetrieb seitens der Gläubiger generiert werden kann.

4. Der Arzt kann auf Antrag beim Zulassungsausschuss seinen Versorgungsauftrag auf die Hälfte des Versorgungsauftrages beschränken.
Kommentar: Die zweite Hälfte ist ja noch vorhanden. Meine interpretierte Zielrichtung: Da es möglich ist, sowohl als niedergelassener wie auch als angestellter Arzt im Krankenhaus zugleich seine Leistung zu erbringen und als niedergelassener Arzt auch angestellter Arzt sein darf, wird er diesen anderen halben Sitz in Form eines Angestelltenverhältnisses am KH ins KH einbringen und somit käme das KH zumindest an einen halben ambulanten Sitz und damit an die ambulante Versorgung (-unter Wahrung der Plausibilität.)

5. Die Möglichkeit, statt einem ganztags beschäftigten Arzt zwei halbtags beschäftigte Ärzte anzustellen, ist wesentlich erweitert worden, indem Ärzte mit anderen Facharztbezeichnungen angestellt werden dürfen und die bisherige, damit verbundene Leistungsbegrenzung den bisherigen Praxisumfang nicht wesentlich durch diese Anstellung zu überschreiten, fällt auch weg und auch die Arbeitsgestaltung ist individuell zu regeln.
Kommentar: Meines Erachtens ist dies die Auflösung der Leistungsbeschränkung von Job-Sharing-Partnern in der bisherigen Form (bis zu 3 % des Fachgruppendurchschnittes) und erhöht somit auch die Konkurrenzfähigkeit eines derartigen Arztkonstruktes.

6. Der im SGB V noch vorgesehene Auftrag an die Gesetzgeber, Verhältniszahlen für die Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung festzulegen und damit die Bedarfsplanung zu verschärfen, wird in dem neuen Gesetz ersatzlos gestrichen.
Kommentar: Dies ist meines Erachtens der klare und deutliche Indikator für den zukünftig zu erwartenden Wegfall der Zulassungsbeschränkungen.

7. Im Krankenhaus angestellte Ärzte dürfen gleichzeitig in einem MVZ arbeiten.
Kommentar: Dies ist ein weiterer Indikator für die gewollte Verzahnung zwischen Niedergelassenen und KH und die verstärkte Möglichkeit des KH’s, Einfluss auf die ambulante Versorgung zu nehmen.

8. Vertragsärzte im MVZ können zukünftig auch in für Einstellung von Ärzten wegen Überversorgung gesperrten Planungsbereichen Hochschullehrer für Allgemeinmedizin anstellen, damit deren Lehrkompetenz durch Praxiserfahrung gestärkt wird.
Kommentar: Hier wird an einem Ausnahmebeispiel die Unterbrechung der Niederlassungsbeschränkung an den Haaren herbei gezogen.

9. Verschiebung des Zeitpunkts für die Einführung der direkten Morbiditätsorientierung im Risiko-Strukturausgleich auf 2008.
Kommentar: Das ist eine bittere Pille.

 

Dr. rer. pol. Rudolph Meindl
Diplom-Kaufmann
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH