05.07.2008 - ENDE DER PRIVATEN KRANKENVERSICHERUNG ?

 

 

In den letzten Tagen waren viele Berichte in der Presse, wonach sich einige große private Krankenversicherer intensive Gedanken in Richtung "Basis-Krankenversicherung" gemacht und damit die private Vollversicherung zur Disposition gestellt hätten. Einige Kommentatoren sahen hierdurch sogar das bekannte duale System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung gefährdet. Wenngleich zwischenzeitlich Dementis der PKV zu hören waren, so bleibt doch ein Rest an Skepsis.

Die Idee, die hinter den Plänen der großen Krankenversicherungen steckt, ist durchaus nachvollziehbar. Würde den privaten Krankenversicherungen auf diesem Weg doch der Zugang zur gesamten Versicherten-Gemeinschaft ohne Einkommens- oder Statusgrenze ermöglicht werden. Die bittere Pille "Kontrahierungszwang" in der Basis-Versicherung würde die PKV aber für das Folgegeschäft "Zusatzversicherung" gerne schlucken, denn für medizinische Leistungen, die über die "Grundversorgung" (denn nur die würde die Basis-Versicherung umfassen) hinausgehen, würden die Privatkassen "ihrem" Versicherten je nach Leistungsfähigkeit Zusatzversicherungen anbieten. Für die private Krankenversicherungswirtschaft insgesamt sicherlich ein lohnendes Geschäft!

Da die mit einer solchen Basis-Versicherung abgedeckten medizinischen Leistungen nur mehr eine kleine Teilmenge der bisherigen Kassenleistungen sein dürfte, müssten die Versicherten für viele diagnostische Maßnahmen, Therapien oder Konsultationen Zuzahlungen leisten oder eben Zusatzversicherungen abschließen. Eine "echte" Zwei-Klassen-Medizin wäre wohl die Folge.
Nachdem nun aber der PKV-Verband solche Pläne (derzeit) nicht weiterverfolgen möchte, ist vorerst wohl Entwarnung angesagt.

Auch die Einführung des Basis-Tarifs (bisher Standardtarif) zum 01.01.2009 wird voraussichtlich aufgrund seiner geringen Attraktivität kaum zu einer Flut von "Wechslern" in diesen Tarif führen. Ende 2007 waren gerade mal 34.000 Versicherte (Quelle: PKV-Rechenschaftsbericht 2007) im Standardtarif versichert (bei ca. 8,5 Mio. Vollversicherten!). Selbst eine Verdoppelung dieser Zahl dürfte weder bei den Ärzten noch bei den Versicherungen "spürbar" werden.

 

Joachim Zieher
Geschäftsführender Gesellschafter

Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH

Abrechnungsexperte