15.02.2014 - PRAXISABGABE

 

Sie sollten 5 Jahre vorher nachdenken und dabei folgendes beachten:

Sollten Sie zu den 52.000 Praxisinhabern oder Anteilsinhabern gehören, die laut Prognose von amtlichen Stellen (Zentralinstitut und KBV) bis zum Ende dieses Jahrzehnts Ihre(n) Praxis-(anteil) verkaufen wollen, so empfehle ich Ihnen aus meiner 37-jährigen Erfahrung (ich war bis Ende 2004 unmittelbar und direkt in diesem Metier zu Hause) auf folgende Punkte zu achten:

1. Bereits 5 Jahre vorher daran denken

2. Anfertigung einer unbestechlichen Bewertung Ihrer(s) Praxis-(anteils)

Das Gutachten erfordert einmal eine Investition, ist aber dann nurmehr in den nächsten Jahren fortzuschreiben und Sie haben jedes Jahr einen aktuellen, objektiven Wert. Ich möchte jedoch klar und deutlich darauf hinweisen, dass jeder objektiv durch Gutachten festgestellte Wert ein Näherungs-Wert ist, denn – und so habe ich dies in all meinen unzähligen Gutachten als Schlusspunkt immer geschrieben: Ein Wirtschaftsgut ist nur soviel wert, wie jemand bereit ist, es dafür abzugeben und ein anderer bereit ist, dies auch dafür zu bezahlen.

Ich würde nicht den Steuerberater*), nicht das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Vereinigung (ZI) und auch keine Bank wählen. Auch nicht die Ärztekammer (da die sog. Ärztekammermethode insbesondere bei Großkonstrukten nicht situationsangepasst ist), sondern ich würde einen unabhängigen, öffentlich vereidigten und bestellten Sachverständigen für die Bewertung von Arzt- und Zahnarztpraxen nehmen (ich selbst war bis zu meinem 70. Lebensjahr über 25 Jahre öffentlich bestellt und vereidigt).Vergewissern Sie sich, dass die Praxiswertfeststellung nach der derzeit alleinig anerkannten modifizierten Ertragswertmethode erfolgt.

*) oftmals neigen Bewerter dazu – insbesondere dann, wenn es keinen aktuellen Anlass gibt (was ja bei der Zeitspanne von noch 5 Jahren der Fall ist) – die zu bewertende Praxis sehr hoch einzu-schätzen, um – und ich muss es einfach sagen – oftmals auch die nicht angemessene Gebühr für so ein Gutachten leichter erklären zu können. 

3. Anteilsverkäufe

Bei Anteilsverkäufen ist immer von einem etwas höheren objektiven Wert auszugehen, da der jedem Gutachten zugrunde liegende und im weit überwiegenden Teil auch den Wert beeinflussende nachhaltig erzielbare Zukunftsgewinn besser institutionalisiert ist, da er nicht personenabhängig ist.

Auch bei in diesem Zeitraum der in den letzten 5 Jahren anstehenden Investitionen ist etwas zwischen dem Praxisverkauf und dem Praxisanteilsverkauf zu unterscheiden.

Beim Praxisverkauf würde ich nurmehr moderat und nicht in hohen Summen investieren (vorbehaltlich natürlich des Lebens nach der ärztlichen Ethik- "moralische" Abschreibung).

Im Zuge eines Anteilsverkaufs, insbesondere bei größeren Konstrukten, kann und muss "großzügiger" umgegangen werden (bei überdurchschnittlichen Investitionen in diesem Zeitraum stellt sich die Frage mit Ihren Praxisgesellschaftern, ob Sie dann noch in die persönliche Haftung bei sich eventuell daraus ergebenden Finanzierungsnotwendigkeiten eintreten sollten).

Integration einer Einzelpraxis in eine Kooperation:                                   
Unter dem Gesichtspunkt eines in diesem Zeitraum geplanten Verkaufs sollte auf jeden Falldie Integration der Einzelpraxis in eine Kooperationsform überprüft werden, weil oftmals der dann sich ergebende Verkauf unter den hier angegebenen Argumenten als Anteilsverkauf attraktiver zu gestalten ist.

Einer der Gründe liegt auch in den positiven Kostensynergien. 

4. Fazit

5 Jahre sind nach meiner Erfahrung notwendig, was nicht heißen muss, dass man schon an den "Markt" geht, was ich ohnehin rate, es erst dann zu tun, wenn die eigenen Vorstellungen definiert sind.

5. Ratschlag

Geben Sie nichts auf veröffentliche Praxiswerte, egal ob durch Banken oder öffentliche Stellen. Es sind immer aus der Luft gegriffene Zahlen und meine langjährige Erfahrung hat immer ein anderes Bild – sowohl nach oben als auch nach unten – gezeigt. Wenn überhaupt, dann kann es nur ein Anhaltspunkt sein. Und: geben Sie nur bei konkretester Kaufabsicht (wenn überhaupt) ein Praxisgutachten aus der Hand. Eigentlich erst bei Vertragsabschluss. 

 

Dr. rer. pol. Rudolph Meindl
Diplomkaufmann
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH
Seit über 46 Jahren im Dienste des Arztes