15.05.2013 - Schon vergessen?

 

 

Retrospektive Betrachtung zu einer von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Ausführung zum Thema "Europäisierung des Gesundheitswesens"

(Ausführlichst dargelegt in unserem Infobrief, Ausgabe 2 + 3/2008)

Der Bertelsmann-Konzern, ist allseits bekannt. Die Bertelsmann-Stiftung hat im Jahre 2008 in den oben erwähnten Ausführungen ihre Meinung zum deutschen Gesundheitswesen unter besonderer Berücksichtigung der niedergelassenen Ärzte dargelegt und ich nehme es vorweg: Die Bertelsmann-Stiftung ist kein Freund des niedergelassenen Arztes, weil:


1. der Gesetzgeber den Krankenkassen die Möglichkeit einräumen muss, mit ausgesuchten Leistungserbringern Verträge abzuschließen (und zwar unabhängig, ob diese im Ausland oder im Inland zugelassen sind!),

2. sie den Wettbewerb und die Art der Leistungserbringung (das sind Sie, als niedergelassener Arzt) fordert (Wettbewerb im herkömmlichen kaufmännischen Sinne als Arzt!?),

3. sie die Öffnungsklausel fordert, in der freie Vereinbarungen von Vergütungsformen für Leistungsanbieter (also Sie) gefordert werden und sie geht davon aus, dass sich in einem wettbewerblichen Such- und Entdeckungsverfahren eine Vielzahl von Vergütungsformen für ambulante (und stationäre) Anbieter herausbilden werden,

4. die Krankenkassen die Verantwortung für die Sicherstellung der Versorgung ihrer Versicherten übernehmen müssten (die KV’en mögen immer wieder – sicherlich auch zu Recht – gescholten werden, aber mein über
45 Jahre gewonnener Eindruck lautet:

Ein besserer Interessensvertreter per Saldo als die KV’en ist nicht in Sicht – sicherlich nicht die Krankenversicherer). Die Leistungsanbieter (das sind Sie) müssen untereinander um Verträge mit den Kassen konkurrieren,          
(Anmerkung: Wären Sie als Arzt ein Unternehmer, der das freie Spiel der marktwirtschaftlichen Kräfte mitspielen dürfte, dann wären Sie (alle) auch auf Konkurrenzherausforderungen besser vorbereitet.)

5. nicht nur Leistungs-, sondern auch Ertragswettbewerb gefordert wird,

6. dem Staat eine ganz andere Aufgabenstellung zugeordnet werden soll und zwar u.a. in der Festlegung qualitativer Mindeststandards in der Versorgung und in der Festlegung eines Informationsregimes für die GKV, das den Versicherten hinreichend Informationen über die Qualitäten der mit einer Krankenkasse vertraglich gebundenen Leistungserbringer sichert.

(Anmerkung: Alle Beteiligten wissen, dass die Leistungen der Ärzte nur marginal quantifizierbar und qualifizierbar sind. Das gelebte Berufsethos scheint nicht mehr gefragt zu sein!)

 

Dr. rer. pol. Rudolph Meindl
Diplomkaufmann
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH