20.05.2016 - GOÄneu - wie gewonnen, so zerronnen!?

 

 

"Absehbare" Verhandlungsergebnisse

War´s das? Nach jahrelangen geheimen Verhandlungen zwischen Vertretern der Bundesärztekammer und dem PKV-Verband lag vermeindlich endlich ein konsensreifer gemeinsamer Vorschlag für eine umfassende GOÄ-Novelle vor. Dann kam das Veto durch den Vorstand der Bundesärztekammer, der kein gutes Haar mehr an den „geheimen“ Verhandlungsergebnissen ließ. Die Reaktion darauf folgte sofort: Der Verhandlungsführer seitens der Ärzteschaft, Herr Dr. Windhorst, wirft das Handtuch und die PKV signalisiert sofort weitere Verhandlungsbereitschaft (da war also noch „Luft nach oben“!).

Aber war das nicht alles schon auf dem außerordentlichen Ärztetag im Januar absehbar? Wieso hat sich der Vorstand damals noch demonstrativ für die vorgelegte Novelle eingesetzt? Waren die Verhandlungen so geheim, dass selbst der Vorstand der BÄK von den „konsentierten“ Ergebnissen nichts mitbekommen hat? Oder war er nur „unzureichend“ informiert oder schlicht desinteressiert?

Die Kritiker, zu denen auch wir uns zählen (siehe unsere zahlreichen Vorträge zu diesem Thema in den letzten Monaten), haben letztlich Recht behalten. Viele der geplanten „neuen“ Elemente hatten das Potential, die GOÄ zu einem Privat-EBM mutieren zu lassen, mit genetischem Code zur späteren Verschmelzung mit dem GKV-EBM zu einem Einheits-EBM. Was das für die Privatmedizin bedeutet hätte, kann man sich leicht ausmalen.

Die Notbremse tat also wirklich Not. Der GOÄ-Zug ist dabei aber gottseidank nicht entgleist, so dass noch alle Chancen bestehen, die Bremse wieder zu lösen, die Weichen neu zu stellen und die Fahrt zu beenden. Vielleicht sollte man diesmal auch die Interessen der Patienten im Blick haben, die sicher auch daran interessiert sind, dass das Arzt-Patienten-Verhältnis nicht mit noch mehr Bürokratie belastet wird, als dies eh schon ist.

 

Joachim Zieher
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH
Abrechnungsexperte
Seit über 20 Jahren im Dienste des Arztes