15.08.2013 - "TUE GUTES UND REDE DARÜBER"

 

 

Anlässlich des Deutschen Ärztetages denke ich wieder einmal sehr viel an die Frage der gelebten ärztlichen Ethik und deren Darstellung in den Medien.

Kein Berufsstand in Deutschland (vielleicht Investmentbanker – zum Teil mit Recht) ausgenommen – wird derartig global desavouiert wie DIE Ärzte/innen.

Schuld sind nicht die Patienten, die Bürger, denn ansonsten wäre der Berufsstand Arzt nicht in der Ansehensskala auf Position 1, sondern die Medien! Die derzeit von der KBV durchgeführte Imagewerbeaktion ist notwendig und meines Erachtens eines der wenigen Mittel sich effizient zu wehren. Ich finde dies trotz einiger berechtigter Gegenargumente gut, dass es sich dabei durch den Entschluss, im Herbst eine zweite Aktion zu starten, um eine nachhaltige Aktion handelt; dennoch muss man sich im klaren sein, die Krake wird sich nicht verkriechen, sondern sie ist nur überdeckt. Warum ist dies so?
Negatives verkauft sich eben gut, liest sich interessant und amüsant. Positives über Ärzte zu berichten, interessiert kaum jemand, deshalb wird darüber lediglich fallbezogen und regional berichtet.
Wir Deutschen gehen statistisch gesehen viel öfter zum Arzt / zur Ärztin, als dies in den meisten vergleichbaren hochzivilisierten Ländern der Fall ist. Mit dem demographischen Wandel steigen zudem die Arztbesuche. Ab einem gewissen Alter nimmt die Schilderung erfahrener bzw. akuter Krankheiten den Hauptteil eines Gespräches ein und der Arzt, der hilft, ist dabei immer positiv im Gespräch.
Was ist die Konsequenz daraus? Man(n)/Frau geht zum Arzt mit den kleineren Wehwehchen, stereotyp, regelmäßig und mit großen Problemen gezielt... und es wird jedem geholfen!
Immer wieder heißt es, es würde insbesondere in der Orthopädie viel zu viel operiert. Warum berichten die Medien in diesem Tenor permanent und immer? Weil es "in" ist. Ich kann dafür ein repräsentatives Gegenbeispiel aufführen: Wir sind acht Personen am Stammtisch, jeder von uns hat bereits eine orthopädische/neurochirurgische/chirurgische OP hinter sich, ohne die seine Lebensqualität erheblich beeinträchtigt wäre. Keiner empfindet, dass er umsonst oder zu früh oder schlecht operiert worden wäre. Jeder betreibt weiterhin den Sport, den er liebt, und zwar mit künstlichem Knie, künstlicher Hüfte, künstlicher Bandscheibe. Wo wird hier umsonst operiert?
Tut Gutes und redet darüber! Seit euch euren Stärken bewusst! Jeder Bürger in Deutschland ist glücklich, weil er weiß, er ist bestens versorgt... Einer der gravierenden Gründe der als sehr hoch empfundenen Lebensqualität in Deutschland.

 

Dr. rer. pol. Rudolph Meindl
Diplomkaufmann
Geschäftsführender Gesellschafter
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH