10.03.2013 - NEUER HVM ZUM 1. JANUAR 2013 UND ABRECHNUNGSVERHALTEN

 

 

Der zum 01.01.13 in Kraft getretene neue Honorarverteilungsmaßstab hat eine ganze Reihe wichtiger Änderungen für die Berechnung der ärztlichen Vergütung gebracht. Diese umfassend darzustellen übersteigt natürlich die Möglichkeiten eines solchen Artikels bei weitem, weswegen  auf die sehr ausführliche und verständliche Broschüre der KVB zu Erläuterung des HVM und die zugehörige Ergänzungsbroschüre verwiesen wird. Die  wichtigsten Änderungen bestehen sicherlich darin, dass zukünftig nicht mehr vor Quartalsbeginn ein arztindividuelles Gesamtvolumen für RLV- bzw. QZV Leistungen mitgeteilt wird sondern fachgruppenbezogene Fallwerte in drei Altersklassen für das RLV bzw. die verschiedenen QZV´s festgelegt wurden, aus denen sich nach erfolgter Abrechnung durch Multiplikation mit den Fallzahlen des abrechnenden Arztes in den einzelnen Altersklassen die arztindividuelle Obergrenze für die Abrechnung von RLV- und QZV Leistungen zum vollen Wert der bayerischen Euro Gebührenordnung ergibt. Weiterhin wurden neue „freie“ Leistungen für verschiedene Fachgruppen eingeführt, die ohne Mengenbegrenzung vergütet werden. Allerdings können sowohl die festgesetzten RLV und QZV Fallwerte fachgruppenbezogen quotiert werden (mit maximal 95% bzw. 85%), als auch die Vergütung der neuen „freien“ Leistungen (mit maximal 85%). Zusätzlich besteht auch noch die Möglichkeit einer fachgruppenbezogenen Fallzahlzuwachsbegrenzung wenn die Fallzahl einer Fachgruppe um mehr als 3% im Vergleich zum Vorjahresquartal steigt.

Die neue Honorarstruktur beseitigt also zum einen eine Reihe von bisher bestehenden Restriktionen wie die Anbindung der Honorarobergrenzen für RLV und QZV´s an die Fallzahlen des Vorjahresquartals und die generellen Mengenbegrenzungsregeln für eine Reihe zusätzlicher Leistungen. Beinhaltet aber gleichzeitig andere Honorarbegrenzungsregelungen und behält auch das Prinzip der Honorarobergrenzen für RLV und QZV Leistungen bei. Dies wird in den Praxen zu Diskussionen führen ob auf die neue Honorarstruktur mit Veränderungen im Leistungsangebot oder der zulässigen strategisch/taktischen Ausrichtung der Praxis reagiert werden muss.

Im Folgenden soll daher der Frage nachgegangen werden welche individuellen Reaktionen auf die neue Honorarstruktur sinnvoll sind. Zur Beantwortung dieser Frage muss man sich zunächst verdeutlichen, dass hier tatsächlich ein tiefgreifender Paradigmenwechsel stattgefunden hat. Bisher war das Risiko der Honorarbegrenzung weitestgehend individualisiert. Durch die Vorgabe eines fixierten Honorarvolumens für RLV und QZV Leistungen wurde eine Art Garantiehonorar festgelegt, dass man einerseits risikolos ausfüllen konnte und in das man andererseits versuchen konnte die Leistungen der Praxis durch zulässige „Rationierung“ hineinzusteuern. Dies führte zum Beispiel dazu, dass man versuchte durch strategische Urlaubsplanungen Fallzahlzuwächse und dadurch bedingte Leistungszuwächse zu vermeiden oder Leistungen, soweit möglich, in Folgequartale zu verschieben. Der neue HVM verlagert das Risiko von Honorarbegrenzungen weitestgehend von der einzelnen Praxis auf das Abrechnungsverhalten der verschiedenen Fachgruppen. Es hängt nicht mehr von der Abrechnung der einzelnen Ärzte ab, ob zusätzlich zu den begrenzten Fallwerten für RLV bzw. QZV Leistungen weitere Begrenzungen in Form von Quotierungen stattfinden sondern vom Abrechnungsverhalten aller Ärzte einer Fachgruppe. Das gleiche gilt für mögliche Abstaffelungen bei Fallzahlsteigerungen bzw. für mögliche Auszahlungsquoten bei den neuen „freien“ Leistungen.

Dieser Paradigmenwechsel ist einerseits sicher sinnvoll und begrüßenswert, da unvermeidbare Leistungsschwankungen und Nachfragesteigerungen bei Einzelpraxen wesentlich häufiger und gravierender sind als bei Fachgruppen, deren Leistungsanforderung oft über längere Zeiträume relativ stabil ist. Die KVB weist daher richtigerweise darauf hin, dass die neue Honorarstruktur geeignet ist die Anzahl der Verfahren in denen versucht wurde die Folgen von strukturell bedingten individuellen Leistungszuwächsen zu mildern stark zu minimieren.

Andererseits sind in dieser Systematik natürlich Nachfragezuwächse ggf. von allen Mitgliedern einer Fachgruppe mitzutragen und die Kalkulation des zu erwartenden Praxisumsatzes wird für den einzelnen Arzt durch die nicht absehbare Auswirkung möglicher Quotierungen zusätzlich erschwert.

Zusammenfassend lässt sich daher feststellen, dass die individuelle Leistungssteuerung soweit sie überhaupt möglich war nur noch von sehr begrenztem Wert ist. Eine deutliche Überschreitung der durchschnittlichen Fallwerte für RLV bzw. QZV Leistungen führt zwar weiterhin unabhängig von Quoten individuell zu Honorarbegrenzungen und ist daher im Auge zu behalten, aber auch hier ist ein zurückhaltender Leistungsansatz kein unbedingter Schutz vor Honorarabsenkungen. Zunächst kann daher nur empfohlen werden weiterhin patientenorientiert sachgerecht abzurechnen und insbesondere die erste Abrechnung Quartal 1/13 anhand der KVB Honorarunterlagen genau hinsichtlich der Auswirkungen der neuen Honorarstruktur zu analysieren. Hier werden auch die Fachverbände gefragt sein, da insbesondere bei kleinen Fachgruppen unvermeidbare fachbezogene Nachfrageentwicklungen große Auswirkungen auf die einzelnen Mitglieder haben können. Wir sind bei solchen Analysen gerne behilflich und stehen auch sonst für Nachfragen zu dieser Thematik zur Verfügung.

 

Thomas Rössler
Berater Gesundheitswesen
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