25.12.2012 - WO DER TOD DEM LEBEN HILFT

 

 

Vor wenigen Wochen hatten Mitarbeiter unserer Verrechnungsstelle die einmalige Chance, eine exklusive Führung im Anatomischen Institut der Uniklinik Erlangen zu erhalten, die von Herrn Dr. Thomas Buder geleitet wurde. Wer mit dem Wort Anatomie nur das verbindet, was Hollywood uns glauben macht, der erwartet hier dunkle und kalte Kellerräume, ein skurriles Gruselkabinett und kauzige Ärzte.

Umso bemerkenswerter war der Auftritt von dem sympathisch strahlenden Herrn Dr. Buder, der sich viel Zeit genommen hatte, um zunächst auf die ethischen und moralischen Hintergründe einer Körperspende einzugehen. Erst nachdem alle Fragen intensiv beantwortet waren, wurden wir wenig später an den Seziertisch geführt, um anhand eines menschlichen Torsos viel über die anatomischen Zusammenhänge des menschlichen Körpers beigebracht zu bekommen.

Der Saal war bei hellstem Sonnenschein lichtdurchflutet und hatte damit so gar nichts von dem, was ich bis dato mit dem Wort Anatomie verband. Wie sagte Herr Dr. Buder so schön: "Bei uns kommen die Toten ans Licht".

Es war Herrn Dr. Buder ein großes Anliegen, durch sehr gezielte zum Teil schwierige und hintergründige Fragen die Anatomie des Menschen plastisch zu erklären, damit die Veranstaltung keinem Voyeurismus gleichkam. Eben dieser in hohem Maße pietätvolle Umgang mit dem Leichnam war für mich persönlich enorm beeindruckend. Mit Respekt durften wir sogar haptisch die Organe erleben. Es war beeindruckend ein menschliches Herz zu berühren, eine Lunge zu umfassen, Gallensteine zu spüren und den Verlauf eines Herzschrittmachers zu verfolgen.

Es ist absolut einsehbar, dass es einem angehenden Arzt möglich sein muss, sich ein möglichst realistisches Bild vom menschlichen Körper zu machen. Diejenigen, die sich für eine Körper-/Organspende entscheiden, verdienen in
diesem Zusammenhang meinen allerhöchsten Respekt.

Für mich als bekennenden Organspender war die Führung Anlass genug, um sehr ernsthaft über eine Körperspende nachzudenken und sei es nur deshalb, dem Menschen Dankbarkeit zu zollen, der mir für einen Moment einen derart tiefen Einblick in seinen Körper gewährt hat.

Anatomie dient immer einem höheren Zweck und hilft auch über den Tod hinaus, das Leben besser zu verstehen.

 

Kay Obermüller
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH