22.02.2012 - DIE AMNESIE DER KRANKENVERSICHERER

 

Vielleicht kennen Sie das? Kurz nach Erstellung der Rechnung und Übersendung an den Patienten erreicht Sie ein Schreiben des Krankenversicherers, dass zur Prüfung der Rechnung näher definierte Unterlagen benötigt werden. Beliebt in diesem Zusammenhang sind bei den Krankenversicherern ausführliche Anfangs-, Verlaufs,- und Endbefunde.

Meist bleibt man im Unklaren, was mit den zusätzlichen Unterlagen eigentlich bezweckt wird und so kommt es nicht selten vor, dass nach einem ersten Schreiben im Sinne einer Salamitaktik weitere Unterlagen durch die Krankenversicherung angefordert werden.

Als zweites folgen vielleicht radiologische und/oder histologische Befunde und wenn das nicht reicht, sogar die Originalbilder selbst. Häufig wird dies mit Aussagen der beratenden Ärzte garniert und so entsteht ein "Menü", auf das man gut und gerne Wochen und Monate warten kann.

Vermehrt in letzter Zeit stellen wir fest, dass einige Krankenversicherer ihre Zahlungspflicht erst dann als gegeben ansehen, wenn ihr Informationshunger vollständig gestillt ist. Bis dahin nämlich bleibt die Rechnung nicht selten vollständig unbezahlt.            
Doch inwieweit ist dies zulässig? Für Sie als Arzt sind die Möglichkeiten eher begrenzt. Der Patient aber hat hier gute Möglichkeiten, die Regulierung zu beschleunigen. So ist in § 14 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) Folgendes geregelt:

"Geldleistungen des Versicherers sind fällig mit der Beendigung der zur Feststellung des Versicherungsfalles und des Umfanges der Leistung des Versicherers notwendigen Erhebungen. (...) Sind diese Erhebungen nicht bis zum Ablauf eines Monats seit der Anzeige des Versicherungsfalles beendet, kann der Versicherungsnehmer Abschlagszahlungen in Höhe des Betrags verlangen, den der Versicherer voraussichtlich mindestens zu zahlen hat. (...)     
Eine Vereinbarung, durch die der Versicherer von der Verpflichtung zur Zahlung von Verzugszinsen befreit wird, ist unwirksam".

Die Regelung stellt klar, dass eine vollständige Nichtzahlung vielfach unzulässig ist und dass der Patient sogar Verzugszinsen verlangen kann. Ein Coaching des Versicherten im Hinblick auf seine Vertragsrechte ist hier aus unserer Erfahrung oft hilfreich, um die Krankenversicherer an Ihre originären Vertragspflichten zu erinnern.

Vergessen wird die Zahlungspflicht gerne dann, wenn der Rechnungsbetrag die 1.000,00 Euro-Grenze überschreitet und dann sind auch Forderungen von Verzugszinsen ökonomisch bedeutsam. Jeder Tag mehr kostet den Krankenversicherer damit bares Geld und fördert das Erinnerungsvermögen der Krankenversicherer ungemein.

Fehlende Abschlagszahlungen sind zwar nicht die Regel, finden sich in der Praxis aber leider immer häufiger.

Haben Sie weitere Fragen zur privaten Krankenversicherung ? - Wir haben die Antworten für Sie.

 

Kay Obermüller
Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH