20.12.2011 - KORREKTE ABRECHNUNG DER ÄRZTLICHEN ASSISTENZ

 

 

Für die ärztliche Assistenz sieht die GOÄ die Tarif-Nummern 61 bzw. 62 vor. Dabei gilt, dass die Tarif-Nummer 61 vomliquidationsberechtigten Assistenten selbst berechnet wird, während die Tarif-Nummer 62 der Operateur für den ärztlichen Assistenten berechnet. 

Die Tarif-Nummer 61 ist - anders als die Tarif-Nummer 62 - auch bei nicht belegärztlichen, stationären Leistungen berechnungsfähig. Da jedoch die GOÄ – etwas missverständlich - bestimmt, dass die Tarif-Nummer 61 neben anderen Leistungen nicht berechnungsfähig wäre in einer Gemeinschaftspraxis für den assistierenden Kollegen eine gesonderte Rechnung zu stellen.

Allerdings erfolgt in einer Gemeinschaftspraxis – in der jeder Kollege für sich liquidationsberechtigt ist - die "Nebeneinanderabrechnung" lediglich aus "Vereinfachungsgründen" und wäre somit unbedenklich (so im Übrigen auch die klaren Kommentare zur berufsgenossenschaftlichen Abrechnung).

Daher sollte im stationären, nicht belegärztlichen Bereich, soweit die ärztliche Assistenz durch einen Kollegen der Gemeinschaftspraxis (bei anderen Ärzten geht das nämlich nicht) erfolgt, die Tarif-Nummer 61 mit Angabe des Arztnamens in Ansatz gebracht werden. Damit die richtige Anzahl der Tarif-Nummer 61 (je angefangene halbe Stunde) berechnet werden kann, muss im OP-Bericht außer der OP-Zeit auch die Assistenz-Zeit vermerkt sein.

TIPP 1:
Die Assistenz umfasst nicht nur die reine OP-Zeit, sondern auch evtl. Rüstzeiten (Lagerung, Sterilisation etc.), die entsprechend berücksichtigt werden können (gilt im Übrigen auch für die Tarif-Nummer 62). Beachten Sie auch, dass die Tarif-Nummern 61 und 62 je angefangene 30 Minuten berechnungsfähig sind. Eine Assistenz von 35 Minuten bedeutet also zwei Mal die jeweilige Leistung! Auf die Dokumentation der Assistenzzeiten kommt es also an.

TIPP 2:
Die Tarif-Nummer 61 ist - im Gegensatz zur Tarif-Nummer 62 - nicht auf die Assistenz bei operativen Leistungen beschränkt. So ist die Tarif-Nummer 61 auch berechnungsfähig, wenn zur Durchführung z.B. einer diagnostischen Leistung ein anderer Arzt assistieren muss.

TIPP 3:
Da die Assistenz bei stationären Operationen i.d.R. nicht in der Praxis stattfindet, ist neben der Tarif-Nummer 61 grundsätzlich auch Wegegeldberechnungsfähig (so auch die Ausführungen des GOÄ-Kommentars nach Dr. Brück vom Deutschen Ärzteverlag). Hier ist aber mit einigem Widerstand bei den Versicherungen zu rechnen.

Cave:
Die Leistungen nach Tarif-Nummer 61 bzw. 62 dürfen nur für die ärztliche Assistenz berechnet werden. Die Assistenz von nicht-ärztlichem Personal ist hierüber nicht berechnungsfähig.

 

Joachim Zieher
Geschäftsführender Gesellschafter

Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH

Abrechnungsexperte

Seit 1996 im Dienste des Arztes