25.05.2011 - SELEKTIVVERTRÄGE MIT DER PKV?!

 

 

Im Bereich der GKV gibt es bereits seit einigen Jahren die Möglichkeit, dass die Krankenkassen mit Ärzten, Praxisnetzen, Ärztegenossenschaften etc. am Kollektivvertrag vorbei oder auch „add on“ sogenannte Selektivverträge schließen können. Dies bleibt aktuell den PKVen nahezu verwehrt. Auf Wunsch der PKV soll sich dies aber mit der Novellierung der GOÄ ändern. Das Zauberwort heißt „Öffnungsklausel“. Über diesen Zusatz in der GOÄ soll es den PKVen ermöglicht werden, an der GOÄ vorbei, Direktverträge mit den Leistungserbringern, also Ihnen, zu schließen.

Dies klingt auf den ersten Blick gar nicht so schlecht, denn verhandelt wird auf beiden Seiten, d. h. ob ein Arzt sich in einen entsprechenden von der PKV vorgeschlagenen Vertrag einschreibt oder nicht, wird er sicher davon abhängig machen, ob der Vertrag ihm einen (wirtschaftlichen) Nutzen bringt oder nicht.

Auf der anderen Seite wird die PKV mit diesem Instrument aber auch die Möglichkeit der Patientensteuerung bekommen, z.B. in Form von Versicherungsverträgen, die für den Privatpatienten nur noch dann eine 100%ige Erstattung vorsehen, wenn dieser zu einem Arzt geht, mit dem die PKV einen entsprechenden Selektivvertrag geschlossen hat. Auf Rechnungen von anderen Ärzten muss sich der Patient dann u. U. Abschläge gefallen lassen. Zu welchem Arzt der Patient dann am Ende tendieren wird, dürfte klar sein.

Ergo würden die Ärzte gewissermaßen durch die Hintertür gezwungen, sich auch in womöglich wirtschaftlich unattraktive Verträge einzuschreiben, um nicht ihr Privatklientel völlig zu verlieren.

Ob sich ein Philipp Rösler dieser Gefahr für „seinen“ Berufsstand bewusst ist, bleibt abzuwarten, schließlich waren doch einige bislang im Gesundheitsministerium beschlossene Aktionen eher PKV-freundlich. Und mit den Beihilfestellen vertritt das Gesundheitsministerium ja auch die Interessen eines wesentlichen Kostenträgers in diesem Bereich. Die Bundesärztekammer wird jedenfalls jede Unterstützung brauchen, um die drohende „Aldisierung der Versorgung“ zu verhindern.

Dass nun nach Verlautbarung aus dem Gesundheitsministerium bei der in den nächsten Monaten anstehenden Novelle der GOZ die Öffnungsklausel außen vor bleiben soll, ist leider noch kein Garant dafür, dass dies dann auch bei der GOÄ-Novelle so sein wird.

 

Joachim Zieher
Geschäftsführender Gesellschafter

Dr. Meindl u. Partner Verrechnungsstelle GmbH

Abrechnungsexperte

Seit 1996 im Dienste des Arztes