30.09.2010 - DIE ZERTIFIZIERUNG IHRER ARZTPRAXIS – SINNVOLL ODER NUR TEUER?

 

 

Arztpraxen sind nach dem GMG aufgefordert ein Internes Qualitätsmanagementsystem einzuführen. Der Gesetzgeber hat hierzu die Mindestkriterien an das notwendige QM-System definiert. Eine Zertifizierung der Praxis – ein häufiges Missverständnis - ist hierzu nicht gefordert.

Dennoch gehen mittlerweile einige Praxen den Weg, ihr QM-System nach DIN EN ISO 9001:2008 oder dem QEP-Modell® zertifizieren zu lassen.

Es stellt sich also die Frage, welche Gründe für eine Zertifizierung sprechen:

Fakt ist, rein gesetzlich gibt es keine Zertifizierungspflicht. Es ist auch die Frage, ob der Gesetzgeber hier die Zertifizierung jemals einfordern kann und wird. Sofern man die Entwicklung des Marktes betrachtet, so ist aber ein wesentlicher Punkt zu erkennen:

Die Zahl der Selektivverträge bei Integrierter Versorgung auf Basis des § 140 SGB V zwischen Arztpraxen und Kostenträgern nimmt deutlich zu. Hatten wir 2004 noch 220 Verträge im niedergelassenen Bereich, sind es 2008 schon 1932 Verträge gewesen.

Möchte nun eine Praxis einen Selektivvertrag bzw. einen Vertrag zur Integrierten Versorgung abschließen, so ist eine Zertifizierung als objektiver Qualitätsnachweis immer stärker gefordert. Die Techniker-Krankenkasse spricht von „…wir fordern eine Zertifizierung ein…“, die DAK „…wir achten auf eine Zertifizierung unserer Vertragspartner…“ und die GKV von einem „hohen und wachsendem Interesse … anerkannte Zertifizierungen nachweisen zu können.“

Diese Selbstregulierung im Ärztlichen Bereich sieht auch die KBV so – ganz dem Motto „keine Zertifizierung – kein Patient“ im Rahmen von Einzelverträgen mit Kostenträgern. Diese Entwicklung gibt es z.B. auch bei Reha-Einrichtungen im Bereich des SGB IX, bei Apotheken oder Sanitätshäusern bei bestimmten Ausschreibungen durch Krankenkassen.

Neben dieser Entwicklung gibt es noch eine Vielzahl von weiteren Vorteilen einer Zertifizierung:

Der Einsatz eines Zertifikates als Marketinginstrument nimmt immer stärker zu. Weiterhin hat die Praxis durch diese objektive Begutachtung auch die Möglichkeit Verbesserungspotentiale, den Umsetzungsgrad von gesetzlichen Anforderungen im Bereich Hygiene, Medizinprodukte oder Arbeitssicherheit zu erkennen, als auch das vorhandene Managementsystem als tragende Säule der Praxis zu implementieren. D.h. Praxisleiter wissen, dass sowohl alle Prozesse sicher laufen, als auch die gesetzlichen Anforderungen erfüllt werden und können sich wieder auf die Patientenversorgung konzentrieren, da nervige Baustellen durch das QM-System bearbeitet sind. Ein Zertifikat kann also auch Sicherheit für den Praxisleiter bei der Erfüllung seiner Anforderungen bedeuten. Natürlich kann auch die bestandene Zertifizierung für das gesamte Praxisteam einen immensen Motivationsschub bedeuten.

Zwei Punkte müssen allerdings klar sein: eine Zertifizierung einer Arztpraxis nützt nichts, wenn der Praxisleiter und das Praxisteam nicht hinter diesem Projekt steht. Eine Zertifizierung wird auch nicht in die ärztliche Fachlichkeit eingreifen.

Neben diesen Argumenten für eine Zertifizierung müssen natürlich Aspekte wie Kosten einer Zertifizierung (zwischen 1.800.- € und 2.800.- € für eine normale Praxisgröße) und die notwendige Zeit zur Erstellung eines solchen Systems gegenübergestellt werden.

Was ist noch zu beachten: bei der Auswahl des zertifizierungsfähigen QM-Systems kristallisieren sich zwei QM-System heraus: die DIN EN ISO 9001:2008 und das QEP-Modell®. Hier gilt es das passende System zu wählen. Für ein solches Projekt hat die Praxis auch immer zwei mögliche Wege: entweder man erstellt dieses QM-System in Eigenregie, was allerdings der Fortbildung eines Mitarbeiters bedarf, oder man holt sich einen externen Partner in die Praxis, welcher schnell, zielsicher und effizient die Praxis zur Zertifizierung führt. Ein zertifiziertes QM-System nebenbei zu erarbeiten, wird allerdings nicht funktionieren.

 

Jan Knittel
Projektleitung
QMService GmbH
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